Samstag, Juni 28, 2014

Petrus und Paulus

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Lesung aus dem Brief an die Galater 1:11 – 20



11Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen;

12ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen.

13Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.

14In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein.

15Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte

16seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate;

17ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück.

18Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm.

19Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.

20Was ich euch hier schreibe - Gott weiß, dass ich nicht lüge.





+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 21: 1.15 – 19



15  Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer! 

16  Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

17  Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe! *

18  Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

19  Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach! 



Predigt



Weide meine Schafe, weide meine Lämmer! Diesen Auftrag erteilt Jesus dem Petrus. Doch ehe Jesus ihm diesen Job gibt, stellt er Petrus eine Frage - dreimal die selbe! Nicht eine Frage nach seiner Befähigung oder nach seiner Bereitschaft oder nach seinem bisher Geleisteten oder nach seiner Frömmigkeit. - Jesus stellt die Frage, ob Petrus ihn liebt!



Somit gründet Jesus den Hirtendienst des Petrus nicht auf dessen eigene Befähigung, die sich in der Verleugnung Jesu ja so erbärmlich, so schwach und feig erwiesen hat. Er gründet ihn auf die Liebe zu ihm. Aus dieser Liebe zu Jesus heraus wird ihm die Kraft für seinen Hirtendienst zukommen. Das ist auch insofern logisch, als es sich bei der Herde um Jesu Herde handelt und nicht um seine eigene: Weide meine Schafe - nicht die deinen!

Die Liebe zu Jesus wird den Petrus immer daran erinnern, dass er Jesu Herde weidet, dass er der Herde gegenüber Jesu Stellvertreter ist und dass er somit Jesus Rechenschaft ablegen wird müssen über seinen Hirtendienst.



Mit seiner Frage richtet Jesus die Aufmerksamkeit des Petrus nicht auf Vergangenes oder Zukünftiges: Nicht auf das, was er getan oder nicht getan hat, nicht auf sein Versagen und auf seinen Verrat; auch nicht auf das, was er einmal tun oder sein wird! - Denken wir nur daran, in welchem Brustton der Überzeugung er behauptet hat, er sei bereit, mit Jesus ins Gefängnis und in den Tod zu gehen (vgl. Lk 22:33)! Nein, Jesus fragt den Petrus nach dem Jetzt, und da nach der Liebe!

Also nicht: "Hast du mich geliebt?" oder "wirst du mich lieben?" sondern: Liebst du mich - jetzt?

Genau darauf kommt es Jesus an: Auf die "Jetztliebe!" Es ist nämlich eben diese Liebe, die den Petrus in der Gegenwart des Herrn bewahrt und in je und je an den Herrn bindet. Zudem bewirkt diese Liebe eine beständige Öffnung für den Herrn, so dass Jesus ihm je und je jene Kraft zukommen lassen kann, die er für seinen Hirtendienst gerade braucht.



Wir können es auch so sagen: Ehe Jesus den Petrus zum Dienst an seiner Herde ruft, ruft er ihn in seine Gegenwart, die ausschließlich unter dem Vorzeichen der Liebe steht.



Ein Weiteres ist von eminenter Bedeutung: Wie nämlich Petrus der Herde des Herrn entgegengeht. Er geht ihr mit der Liebe entgegen, die er zu Jesus hat. Diese Liebe prägt seine Beziehung zur Herde von Anfang an und von Grund auf. Diese Liebe ist die einzige Tür, die zur Herde führt. Aber wie anders sollte es auch möglich sein? Petrus kann nicht den Herrn lieben und dessen Herde hassen. Vielmehr ruft Jesus den Petrus in die Liebe zu IHM und in dieser Liebe schickt er ihn zu seiner Herde. Er dient der Herde in der Liebe zu Jesus. In der Herde kann er so auch ihren Hirten, Jesus, lieben! Die Jetztliebe bindet Petrus in die Herde Jesu ein in zweifacher Hinsicht: In seiner Liebe zu Jesus ist er Glied der Herde und in derselben Liebe ist er stellvertretender Hirt der Herde Jesu.



Und noch eine wichtige Bemerkung: Liebst du mich? - diese Frage ist offen für das Wie, Wann und Wo dieser Liebe! Es ist die Frage nach einer Liebe in jeder Weise, an jedem Ort und für jede Zeit - es ist eine universale, eine katholische, alles umfassende Liebe!

Die Liebe zu Jesus ist für Petrus das Fundament seines Hirtendienstes; sie ist der Weg mit seiner Herde und das Ziel des Weges. Was Jesus von Beginn an unter die Liebe zu ihm gestellt hat wird auch in der Liebe zu ihm vollendet. Im Vertrauen auf diese Liebe braucht Petrus sich nicht vor seinen Grenzen fürchten; in dieser Liebe wird er seine Grenzen je und je überwinden können.



So weit zum Apostel Petrus! Wie schaut das nun bei Paulus aus? Welches Fundament hat denn sein Hirtendienst? Sagt uns die heutige zweite Lesung etwas darüber? Wir hörten, „dass Gott ihn schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, ihm in seiner Güte seinen Sohn zu offenbaren, damit er ihn unter den Heiden verkündige.“ (Gal 1:15f)



Es fällt auf, dass sich auch Paulus so wie Petrus außerordentlich negativ gegen Jesus verhalten hat. Von Petrus wissen wir, dass er Jesus dreimal ausdrücklich und entschieden verleugnet hat. Paulus erzählt von sich selber, dass er im Eifer für das jüdische Gesetz „maßlos die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte.“ (Gal 1:13b) Ausgerechnet der hat „das Evangelium nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern hat es durch die Offenbarung Christi empfangen.“ (Gal 1:12) Versetzen wir uns in die Zeit dieser beiden Ereignisse und schalten wir einmal aus, was wir seither wissen, dann fragen wir uns schon: Was, diese beiden Typen ruft der Herr in seine Nähe? Denen vertraut er die Zukunft seiner Kirche an? Na, das wird was werden! Ja, es wurde was! Es wurde die Kirche, die seither die Jahrhunderte überdauert hat und zu jener Gestalt geworden ist, in der sie heute vor uns steht. Ja, es wurde die Kirche, zu der wir heute gehören, die wir heute sind!



Auch bei Paulus geschieht Erwählung durch Gott, so wie Petrus durch Jesus erwählt wurde. Bei beiden Erwählung rein durch Gnade und keineswegs durch Eigenverdienst! Beide werden gesendet: Petrus, die Herde Jesu zu weiden; Paulus, Christus zu verkünden! Bei allem Gemeinsamen im Wesentlichen Verschiedenheit in der Ausgestaltung: Petrus erweist seinen Hirtendienst in der Liebe zu Jesus; Paulus seinen Verkündigungsdienst! Die Liebe wurde beiden unverdient geschenkt durch Gottes Auserwählung und Zuwendung in Jesus Christus. Wir erkennen: Jesus hat die Kirche nicht auf menschliche Stärke gegründet sondern auf gnädige Liebe!



Was mit Petrus und Paulus geschehen ist, zeigt uns, dass auch wir nirgendwo sicher sind, von Gott erwählt und gerufen zu werden. Selbst die größte Distanz, in der wir uns von Gott entfernt glauben, zählt für Gott nicht; denn er ist da und uns immer nahe – mögen wir uns auch noch so ferne von ihm wähnen. Eigentlich sind wir von Gott ja immer schon erwählt und gerufen – zu gegebener Zeit lässt er uns das nur auf eindrückliche Weise wissen; dies stellt unser Leben dann auf den Kopf und richtet es vollends und endgültig auf Gott aus.



Eigentlich ist jede hl. Messe ein Ort und eine Zeit, in der Gott die Gründung seiner Kirche erneuert: Er ruft uns zu sich, lässt uns wissen, dass wir durch ihn aus gnadenhafter Liebe erwählt sind. So möchte er in uns die Liebe zu ihm wecken, die auch uns zu Hirtinnen und Hirten seiner Herde macht im Dienst der Verkündigung und der Leitung. So leben Petrus und Paulus in uns weiter – zuinnerst aber unser aller Herr Jesus Christus, der geliebt und gepriesen werde jetzt und in Ewigkeit Amen!

Donnerstag, Juni 26, 2014

Herz Jesu





+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 11: 25 – 30



25In jener Zeit sprach Jesus: Ich  preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.

26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.

27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.

28Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.

29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.

30Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.







Wenn jemand uns fragt, wie es uns denn so geht, so erwartet er in der Regel nicht, dass wir auspacken und ihm erzählen, wie es uns tatsächlich geht. Er erwartet vielmehr die knappe Antwort: Danke, gut! Mit seiner Frage möchte er nicht in die Tiefe gehen sondern an der Oberfläche bleiben und bloß höflich sein.

Schon gar nicht möchte so ein Mensch, dass wir ihn mit unseren Problemen, Ängsten und Nöten befassen!



Genau damit aber möchte Jesus Menschen bei sich haben: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt!“ (Mt 11:28a) Diese Einladung richtet sich an alle, so dass auch wir uns angesprochen wissen dürfen. Warum ist Jesus neugierig auf unsere Lasten? Was findet er interessant daran? Was bringen ihm unsere Probleme?

Jesus beantwortet gleich diese Fragen, indem er anfügt: „Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ (Mt 11:28b) er möchte sie uns wegnehmen die Plagen und Lasten! Nicht an ihnen ist er interessiert sondern an uns! Um unsretwillen interessiert ihn unsere Lebenslast! Es geht ihm um uns und dass wir von unseren Lasten frei werden und Ruhe finden.

Insbesondere spricht Jesus da jene Probleme an, die wir alleine nicht mehr lösen können, jene Fesseln, die wir alleine nicht mehr sprengen können, jene Lasten, von denen wir alleine uns nicht mehr befreien können. Er bietet sich uns an als der Nothelfer in unserem Lebens.



Jesus speist uns nicht mit Floskeln ab; er weist uns den Weg zu einem guten Umgang mit den Mühen und Plagen unseres Lebens: den Weg zu ihm und in der Folge den Weg mit ihm. Dieser Weg mit ihm ergibt sich aus dem, was Jesus weiter sagt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ (Mt 11:29f)



Das Joch ist ein Gebrauchsgegenstand aus der bäuerlichen Umwelt Jesu: Es ist jener Teil eines Wagens, der dem Zugtier auf den Nacken gelegt wird und mit Seilen und Gurten mit dem Wagen verbunden ist, den das Tier ziehen soll. Zudem kann der Wagenlenker das Zugtier über das Joch leiten.

Das Joch Jesu, das wir anstelle unserer Plagen und Lasten auf uns nehmen sollen, ist etwas, das uns mit Jesus verbindet; etwas, mit dem Jesus uns lenken kann.

Wie ist es aber nun möglich, dass dieses Joch Jesu nicht drückt und dass diese Last Jesu leicht ist?

Weil dieses Joch von einem Jesus gelenkt wird, der gütig und von Herzen demütig ist. Die Güte und die Demut Jesu sind gleichsam die Zügel, mit denen er sein Joch und damit unser Leben lenkt und leitet.

Wenn er zudem sagt, dass wir sein Joch auf uns nehmen sollen dann fügt er nicht an: „Tragt es“ oder „stöhnt darunter“ oder „plagt euch damit ab“ sondern er fügt an: „lernt von mir!“ Jesus steht nicht als Treiber mit einem Schlagstock hinter uns, um uns anzutreiben sondern er steht vor uns als Pädagoge, als Erzieher, der uns lehren möchte und von dem wir lernen sollen.

So tritt immer deutlicher hervor, was Jesus mit „seinem Joch“ und mit „seiner Last“ meint: es ist „das Joch“ seiner Gegenwart; es ist „die Last“ des Zusammenlebens mit ihm.



Die Einladung des heutigen Evangelium hat Jesus mit anderen Worten bereits an seine Jünger gerichtet, als er sie von den Fischernetzten weg in seine Nachfolge gerufen hat: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen!“ Da haben wir die Einladung, zu ihm zu kommen; das Joch, ihm nachzufolgen; und von ihm zu lernen, wie sie Menschen fischen sollen.



Ähnliches hatte sich Jesus ja auch für unsere Ahnen in Tirol ausgedacht, als sie unter der Fremdherrschaft der Baiern und Franzosen zu leiden hatten. Da hat er sie auch zu sich gerufen unter ihren schweren Lasten; und sie sind auch zu ihm gekommen und haben einen Bund mit ihm geschlossen im Zeichen seines Heiligsten Herzens; aber den Rest haben sie dann vergessen und sie haben nicht von Jesus gelernt, was er ihnen etwa über die Feindesliebe gesagt hat in der Bergpredigt und wie er selber seine Feinde geliebt hat.

Sie haben sein gütiges und demütiges Herz außer Acht gelassen. Aber gerade das hätten sie ins Auge fassen und in ihr Herz schließen sollen – wissend, dass Jesus nicht nur gütig zu ihnen ist sondern auch zu den Franzosen und Baiern und überhaupt zu allen Menschen.

Sie haben missachtet, dass Jesus ihr Herz dem seinen ähnlich machen wollte. Sie sollten nach dem Willen Jesu nicht zu Gewehr, Kanone und anderen Waffen greifen sondern die Waffenrüstung Gottes anlegen, die der Apostel Paulus so beschreibt:   „10 Werdet stark durch die Kraft und Macht des Herrn!

11  Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt.

12  Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.

13  Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.

14  Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an

15  und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen.

16  Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.

17  Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.

18  Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.“



Genau das hätten unsere Ahnen von Jesus lernen sollen! Genau das hätte er sie lehren wollen! Jesus wollte sich unseren Ahnen einprägen – wie ein Lehrer seinen Schülern. Sie sind in den Bund mit Jesus hineingesprungen – und wurden doch letztlich im Sprung gehemmt durch die Meinung, ihre Ziele mit militärischer Waffengewalt erreichen zu müssen. So ist die letzte, tiefste Bundesprägung durch Jesus unterblieben. Jesus wollte nicht, dass sie ihr Land mit ihrem Schwert gewännen, noch wollte er, dass ihr Arm ihnen den Sieg verschaffte; nein, die Rechte Jesu sollte es sein, sein Arm und sein leuchtendes Angesicht (vgl. Ps 44:4) Und wovon leuchtete sein Angesicht? Von seinem gütigen und demütigen Herzen! In der Kraft eines demütigen und gütigen Herzens müssen wir unsere Schlachten schlagen – und nicht mit Muskelkraft und Waffengewalt!



Wir sehen, diese Waffenrüstung Gottes ist zeitlos gültig. Gebe der Herr, dass wir von ihm lernen, sie anzuziehen und sie zu gebrauchen, denn Bedrängnis, Not und Kampf gibt es heute auch – wie ein Blick in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zeigt. In allen drei Bereichen gilt es den christlichen Grundwert des Vorranges des Menschen vor allem anderen zu verteidigen und zu verwurzeln: Im Hinblick auf das ungeborene Leben und die sterbenden Menschen; im Hinblick auf die verschämten und offensichtlich Armen; im Hinblick auf die Arbeitslosen, die Asylanten und die Einsamen; im Hinblick auf die Not in unseren Familien; im Hinblick auf die Gäste und die Gastgeber in unserem Land. Das sind die Fronten, an denen es heute zu kämpfen gilt. Dorthin ruft der Herr: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11:28) Und er ruft durch uns. Er möchte uns zu „Herz – Jesu – Menschen“  machen, die mit ihm nicht nur einen Bund schließen sondern diesen Bund auch leben – und so sein mildes Joch und seine leichte Last tragen.



Mit Jesus muss es unser aller Anliegen sein, Menschen die Plagen und Lasten abzunehmen, die sie selber oder andere ihnen auflegen und sie hinzuführen zum milden Joch der Lebensgemeinschaft mit Jesus, damit dieser als der Erlöser und Herr aller Menschen und der gesamten Schöpfung anerkannt und verherrlicht werde zur Ehre Gottes in der Kraft des Hl. Geistes jetzt und in Ewigkeit. Amen!



Herz Jesu II

“Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.” (Mt 11:28)

Wenn ich sage, die Einladung, zu Jesus zu kommen, ergeht an alle, dann stimmt das nicht. Sie ergeht nämlich an eine bestimmte Gruppe von Menschen: die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben.
Sie stellt mich vor die Frage, ob ich ein geplagter und belasteter Mensch bin. Sie konfrontiert mich mit dem, was ich gerne ausblende, weil ich es nicht mag.
Jesus mag es, weil er mich mag!
Jesus gehört zu jener exotischen Sorte von Menschen, die offen sind für das an  mir und in mir, wofür die meisten Menschen inklusive meiner selbst verschlossen sind.
Und er ist nicht passiv offen indem er sagt: „Ja, wenn es halt unbedingt sein muss, dann komm halt mit deinen Mühen in Gottes Namen zu mir!“
Er ist aktiv offen indem er einlädt und sagt: „Du bist mit deinen Mühen bei mir herzlichst willkommen – gerade im Namen Gottes! Im Namen jenes Gottes, dessen Sohn ich bin und dessen Liebe ich zu dir bringe.
In dieser herzlichen Annahme bietet Jesus uns sein Joch an und wir dürfen lernen, dass jede Last in mir und im anderen leichter wird durch liebevolle Annahme.
Bereits die Theologen der frühen Kirche haben diese Joch Jesu in die prägnante Formel gefasst: Nur was angenommen wird, wird auch erlöst. Damit war gemeint, dass Gott den Menschen ganz erlösen konnte erst nachdem er ihn in Jesus ganz angenommen hat. Mit anderen Worten kommt so die beglückende Wahrheit zum Ausdruck, dass Gott in Jesus Christus ganz wie wir Mensch geworden ist.

Jetzt können wir auch etwas besser verstehen: dass nämlich Jesus nach seiner Einladung nicht sagt: Er werde die Plagen entfernen und die Lasten abnehmen! Sondern er sagt: „Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Und wie tut er dies? Indem er uns in seinem Beispiel das milde Joch anbietet, positiv liebevoll mit unseren Plagen und Lasten umzugehen.
Sie gehören nämlich zu uns, sind aus unserem Leben herausgewachsen. Sie sind Wir! Indem wir sie verwerfen, verwerfen wir unser Leben, verwerfen wir uns selber. Sie wollen geheilt werden – und das geht nur durch liebevolle Annahme.
Wenn wir mit einer Wunde am Arm zum Arzt gehen, dann wird der nicht kurzerhand den ganzen Arm abtrennen. Er wird vielmehr die Wunde behutsam begutachten, säubern, desinfizieren und verbinden. Dann kann sie allmählich heilen und der Arm, ja, der ganze Mensch wird wieder gesund.

Selten kommt in einem anderen Wort Jesu so klar zum Ausdruck, dass er unser Arzt ist für Leib und Seele. Und dass er uns seine ärztliche Kunst lehren möchte. Diese Kunst zielt darauf ab, uns mit unseren Plagen und Lasten auszusöhnen, eine größere Einheit in uns zu schaffen und so die Ruhe und den Frieden in uns zu mehren.

Das Herz Jesu Fest ist ein Fest der herzlichen Liebe Jesu zu uns, die wir oft so herzlos sind uns selbst und einander gegenüber. Jesus möchte uns zu herzlichen Menschen machen und beginnt damit heute einmal mehr bei uns selber. Er möchte die Liebe in uns ordnen und uns zubereiten für sein großes Gebot: „ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:37 – 39)

Heute schaut Jesus auf die rechte Liebe zu uns selbst. Ohne die können wir nämlich weder den Nächsten noch Gott in rechter Weise lieben. Denn wir haben nur ein Herz, mit dem wir Gott, den Nächsten und uns selber lieben.

Das Herz Jesu Fest ist deshalb ein Fest der heilenden und versöhnenden Liebe. Ein Fest, an dem Jesus uns sein mildes Joch, sein demütiges Herz als eine Quelle des göttlichen Erbarmens darbietet, damit wir daraus trinken zu unserem Heil, zu unserem Frieden und damit zur Freude aller, die zu uns gehören. Amen!



Mittwoch, Juni 18, 2014

Leben durch Christus


 
+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 6:51 – 58

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.
52Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
53Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
55Denn mein Fleisch ist wirklich Speise, und mein Blut ist wirklich Trank.
56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
58Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.



Es ist schwere Kost, die Jesus im heutigen Evangelium seinen jüdischen Zeitgenossen verabreicht! Wenn ihn seine Zuhörer wenigstens zum Fressen gern gehabt hätten, wäre das schon ein guter Ansatz, seine Worte zu verstehen – aber davon waren sie meilenweit entfern! Die meisten von ihnen konnten ihn nicht einmal riechen!

Ist die Frage, ob es uns da besser geht! Ob nicht auch wir von Jesu Speise eine Magenverstimmung bekämen?

Es ist offensichtlich, dass Jesus nicht in kannibalischer Art und Weise verzehrt werden möchte! Aber was möchte er dann mit seinen drastischen Worten mitteilen?

Ein Schlüsselsatz des heutigen Evangeliums hilft uns weiter: „ 57Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.“ (Joh 6:57)

In diesem Wort spricht Jesus seine Beziehung zu seinem Vater an: Da ist von Sendung die Rede und von einem „Leben durch den Vater“ – gerade so, als wäre sein Vater Lebensmittel für Jesus – nicht irgendeines sondern das Lebensmittel schlechthin!
Das Essen von Jesus muss also so verstanden werden, dass wir aus der Sendung durch Jesus heraus leben. Diese Sendung durch Jesus ist dabei nicht etwas Äußerliches sondern etwas Wesentliches; so wesentlich, dass wir durch Jesus leben, so wie Jesus durch den Vater lebt.
Durch Jesus leben können wir, wenn wir ihn aufnehmen, wie der Körper eine Speise aufnimmt: die Speise wird ganz vom Körper aufgenommen und wird von ihm verdaut: die Speise geht in den Körper über und wird so zum Lebenserhalt für den Körper, zur Lebenskraft, ohne die der Körper auf Dauer nicht leben könnte sonder sterben würde.
Gerade so müssen wir Jesus aufnehmen: Ihn ganz in unser Leben hereinlassen, ihn verdauen, so dass sich Jesus ganz uns angleichen kann, und wir uns ihm; so wird Jesus zur Kraft in uns, die unser Leben erhält, bestimmt und prägt. Paulus hat das in das kraftvolle Wort gefasst: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ (Gal 2:20) Genau dahin muss es führen, wenn wir Jesus essen: Jesus muss in uns leben, damit wir dann durch Jesus leben können: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.“ (Joh 6:56)
In der Lesung aus dem Wüstenzug des Volkes Israel wird uns vor Augen geführt, wie sehr das Volk sein Überleben in der Wüste dem Wort Gottes verdankt. Es lernt hautnah und dramatisch, „dass es nicht nur vom Brot lebt sondern von jedem Wort, das aus dem Mund des Herrn hervorgeht.“ (Deut 2:3) Das Wort des Herrn hat ihnen das Manna verschafft, das Wort des Herrn rief die Wachteln herbei, das Wort des Herrn ließ ihnen das Wasser aus dem Felsen quellen. Sie haben vom Wort des Herrn gelebt, der auf dem Weg durch die Wüste mit ihnen war.

Geradeso ist es mit Jesus: Auch er hat verheißen, „alle Tage bei uns zu sein bis ans Ende der Welt.“ (Mt 28:20) So gewährleistet er auf unserem Weg durch die Wüste dieser Erdenzeit die Speise seiner immerwährenden Gegenwart. Von der können wir essen jeden Augenblick! Das ist wichtig zu wissen!
Denn unser Körper isst ja auch nicht ein für allemal! Vielmehr muss er immer wieder Nahrung zu sich nehmen, um am Leben zu bleiben. Gerade so nehmen wir auch Jesus nicht ein für allemal zu uns sondern immer wieder können wir vom Fleisch seiner Gegenwart kosten und vom Blut seiner bleibenden Nähe trinken. „Fleisch“ und „Blut“ wollen uns dabei sagen, dass wir uns das Essen von Jesus nicht konkret genug vorstellen können – will heißen: dass wir seine wirkmächtige und andauernde Gegenwart nicht ernst genug nehmen können.

Die Weisen seiner Gegenwart gleichen dabei einem üppig gedeckten Tisch: Angefangen von den Gaben der Eucharistie in Brot und Wein, über sein Wort, die Gemeinde beim Gottesdienst, jeden einzelnen Menschen, dem wir gegenüberstehen bis hin zur gläubig erlebten Nähe des Herrn in jeder Situation und in jedem Augenblick. Er ist wirklich immer bei uns! Wir müssen ihn nur ergreifen und ihn uns einverleiben!

Warum tun wir das nicht? Was hindert uns daran? Es ist jene Speise, die uns den Magen beschwert und die recht eigentlich unverdaulich ist für uns: Die Speise unserer ungeordneten Eigenliebe verbunden mit Unbeweglichkeit und Hartherzigkeit, Oberflächlichkeit und Kurzsichtigkeit! Das alles ist eigentlich Gift für uns und bringt uns den Tod!
Darum sollten wir diese Speise erbrechen und ausspucken, damit der Magen unserer Seele wieder so richtigen Hunger bekommt nach der kraftvollen und köstlichen Speise der Gegenwart Gottes.

Der Herr schenke uns die Gnade, dass wir unseren Speiseplan so gestalten, dass auf ihm nur Nahrung zu finden ist, die nicht nur uns sondern auch dem Herrn und unserem Nächsten schmeckt und gut tut! Christus sei unser Speisemeister und unsere Speise jetzt und in Ewigkeit! Amen!

Sonntag, Juni 15, 2014

Wie Gott liebt

 

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 3: 16 – 18



16Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.

17Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

18Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.





Mit welcher Botschaft aus dem Evangelium führt uns die Kirche an den dreifaltigen Gott heran?

Dass Gott die Welt so sehr liebt!
Mit der Botschaft also, dass Gott die Welt liebt.
Das ist eine umfassende Liebe, die nicht eine geliebte Welt von einer ungeliebten unterscheidet. Vielmehr ist nichts von der Welt aus seiner Liebe ausgeschlossen. Die ganze Welt ist in Gottes Liebe beheimatet. Ein Vorwort zu dieser Botschaft hören wir im Buch der Weisheit 11: 24-2:1: 24  Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.
25  Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre?
26  Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
Kapitel 12
1  Denn in allem ist dein unvergänglicher Geist.
Diese Wahrheit findet ihr Echo im Wort des Apostels, dass die ganze Schöpfung für die Erlösung bestimmt ist (Röm 8:19-21)

Diese Liebe Gottes ist offensichtlich keine notgedrungene. So etwa, als sagte sich Gott: „Na ja, da ich die Welt nun einmal geschaffen habe, werde ich sie wohl auch lieben müssen!“ Vielmehr liebt er die Welt sehr! Mit diesem Wörtchen sehr ist ein Liebesmaß ohne Grenze angesprochen, die uns neugierig fragen lässt, wie sehr  denn Gott die Welt liebt.

Dieser neugierigen Frage kommt die Liebe Gottes zuvor, indem sie gleich angibt, wie sehr Gott die Welt liebt: So sehr, dass Gott seinen einzigen Sohn hingab.
Wir stellen fest, Gott ist in seiner Liebe zur Welt zuvorkommend. Diese zuvorkommende Liebe ist eine Qualitätszeichen. Sie sagt uns, dass Gott sich seine Liebe zur Welt nicht wie Würmer aus der Nase ziehen lässt. Diese Liebe Gottes hat es eilig, die Welt zu lieben. Sie möchte schon die Welt in Liebe hüllen noch ehe diese überhaupt erkennt, dass sie diese Liebe nötig hat.

Und dann sagt also Gott, wie sehr er die Welt liebt: So sehr, dass er seinen einzigen Sohn hingab.
Eine Liebe die gibt – aber nicht ziellos. Sondern gezielt, gemeint auf ein bestimmtes Ziel – auf die Welt! Also eine Liebe die „hin – gibt“. Eine ökonomische Liebe, die ihre Kraft nicht vergeudet in ein Irgendwo hinein sondern gesammelt ausrichtet auf ein Ziel – auf die Welt!

Diese Liebe gibt hin – aber was? Sie gibt kein „Was“ – kein Ding; sie gibt einen „Wen“ – eine Person: seinen einzigen Sohn! Das heißt – Gott hat nur diesen einen Sohn; anderen hat er keinen mehr! Er ist sein einziger Sohn!
Im Kontext des damaligen Verständnisses von Nachkommenschaft, Kindern und Söhnen bedeutet dies: Gott gibt hin sein einziges, sein bestes Stück – an dem sein ganzes Herz hängt;
den er liebt, wie sonst niemand;
an dem er sich erfreut, wie an niemandem sonst.
Wir können sagen: in diesem einzigen Sohn gibt Gott sein ganzes Herz hin, sein Innerstes, seine tiefste, reinste Liebe. Mir fehlen die Worte, um angemessen auszudrücken, wen Gott in seinem einzigen Sohn hingegeben hat!

Johannes vom Kreuz hat dies auch versucht und lässt Gott selber sprechen zu jedem, der von ihm über seinen Sohn Jesus Christus hinaus noch weitere Offenbarungen und Visionen verlangt. Zu einem solchen Menschen also lässt Johannes vom Kreuz Gott mit folgenden Worten sprechen:
„Richte deine Augen allein auf ihn, denn in ihm habe ich dir alles gesagt und geoffenbart, und du wirst in ihm noch viel mehr finden, als du erbittest und ersehnst. .... Denn ER ist meine ganze Rede und Antwort, er ist meine ganze Vision und Offenbarung. Das habe ich euch schon gesagt, geantwortet, kundgetan und geoffenbart, als ich ihn euch zum Bruder, zum Gefährten und Lehrmeister, als Lösegeld und Lohn gab. ..... Hört auf ihn, denn ich habe nicht noch mehr Glauben zu offenbaren, noch mehr Dinge kundzutun. Denn wenn ich früher sprach, war es, weil ich Christus verhieß, und wenn sie mich befragten, erbaten und erhofften sie mit ihren Fragen Christus, in dem sie alles Gute finden sollten, wie es jetzt die ganze Lehre der Evangelisten und Apostel zu verstehen gibt.....Wenn du möchtest, dass ich dir mit einem Trostwort antworte, dann schau auf meinen Sohn, mir ergeben und aus Liebe zu mir hingegeben und gepeinigt, und du wirst sehen, wie viel er dir antwortet. Wenn du möchtest, dass ich dir manches verborgene Schalten und Walten erkläre, dann richte deine Augen allein auf ihn, und du wirst die verborgensten Geheimnisse und Weisheit und Wunder Gottes finden, die in ihm verschlossen sind...... Schau auf ihn, der sogar Menschengestalt annahm, und du wirst darin mehr finden als du denkst.“ (Johannes vom Kreuz 2 Subida 22,5-6)

Aus der Liebe Gottes zur Welt ist eine Person herausgewachsen, sie hat Gestalt angenommen in seinem einzigen Sohn. Diese Liebe Gottes ist so groß, so stark, so lebendig, dass sie nicht Idee, ja, nicht einmal Wort bleiben wollte – sie wollte Gestalt werden und Person; sie wollte Mensch werden – wie wir!

Diese Liebe zu Gott wollte nicht in sich im Göttlichen verbleiben. Sie hat diesen Raum des Göttlichen verlassen und ihn überstiegen auf die Welt hin und dort auf jene Wesen hin, die Gottes fähig waren – auf uns Menschen. Wir hören den Apostel Paulus in seinem Brief an die Philipper, Kapitel 2: „ 6  Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,
7  sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
8  er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“

Bei seinem Heraustreten aus dem Göttlichen hat der einzige Sohn sein Gottsein nicht zurückgelassen; er hat es in seiner ganzen Fülle mitgenommen und es eingeborgen in eine menschliche Gestalt – in die des Menschen Jesus von Nazareth.

Dieses Heraustreten ist ein Hingeben der Liebe Gottes in der Form einer Sendung. Dies betont die Eigenständigkeit des gesandten Sohnes und zugleich seine Abhängigkeit von Gott.
Es ist nicht nur Gott, der sendet; es ist auch der Sohn, der sich senden lässt. Beide stimmen vollkommen überein in dieser Sendung. Sie sind ein Herz und eine Seele. Was Gott will, will in gleicher Weise auch der Sohn. Und im Willen des Sohnes zeigt sich der Wille Gottes. Beide sind in einer Atmosphäre des Einklanges, des Übereinstimmens, des Einsseins. Diese Atmosphäre ist eine solche der Liebe – und sie ist so dicht, so lebendig, so wahr, dass sie in der Gestalt des Hl. Geistes eine eigene wirkmächtige Person ist. In Gott gibt es nichts Unpersönliches. In Gott ist alles Persönlich. In Gott ist alles Person. Im großen Glaubensbekenntnis beten wir deshalb: „ Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird.“

Dann lesen wir im Evangelium weiter: Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet wird. Mit diesen Worten erstreckt sich der Rettungswille Gottes auf die ganze Welt. Nichts und niemand ist davon ausgenommen. Wir hören Paulus im Römerbrief, Kapitel 8: „ 19  Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes.
20  Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung:
21  Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes.“

Die Rettung durch Gott ist und bleibt jedoch ein Angebot, das der Annahme bedarf, will es wirksam werden. Diese Annahme geschieht im Glauben. Im Glauben an den Namen des einzigen Sohnes Gottes öffnet sich der Mensch, so dass Gott ihn retten kann. Und es ist dies ein Glauben an einen dreifaltigen Gott.

Kaum wo kommt dieser Glaube so klar und so lebendig erfrischend zum Ausdruck, wie im Gebet der sel. Elisabeth von Dijon, einer Karmelitin (1880-1906):

„O mein Gott, Dreifaltigkeit, die ich anbete : Hilf mir, mich ganz zu vergessen, um mich in Dir niederzulassen, regungslos and friedvoll, so als weilte meine Seele bereits in der Ewigkeit. Nichts soll meinen Frieden stören können, nichts soll mich aus Dir herausfallen lassen, o mein Unwandelbarer; vielmehr soll mich jede Minute weiter in die Tiefe Deines Geheimnisses hineinführen. Schenk Frieden meiner Seele, mach sie zu Deinem Himmel, zu Deiner geliebten Wohnung and dem Ort Deiner Ruhe. Gib, dass  ich Dich dort nie allein lasse, sondern ganz da bin, ganz wach in meinem Glauben, ganz anbetend, ganz ausgeliefert an Dein schöpferisches Handeln.  

O mein geliebter Christus, aus Liebe gekreuzigt, ich möchte eine Braut für Dein göttliches Herz sein, ich möchte Dich mit Ehre überschütten, ich möchte Dich lieben ... ja, aus Liebe sterben! Aber ich fühle mein Unvermögen, und ich bitte Dich: „Bekleide mich mit Dir selbst", mach meine Seele mit allen Regungen Deiner Seele gleichförmig, überflute mich, durchdringe mich, setze Dich an meine Stelle, damit mein Leben nur mehr ein Widerschein Deines Lebens sei. Komm, bete an, heile and erlöse in mir !
O ewiges Wort, Wort meines Gottes, ich will mein Leben damit verbringen, auf Dich zu hören, ich will ganz offen and gelehrig sein, um alles von Dir zu lernen. Sodann will ich durch alle Nächte, alle Leere and alles Unvermögen hindurch immer den Blick auf Dich richten and in Deinem hellen Licht bleiben. O mein geliebter Stern, banne mich fest, damit ich nie mehr aus Deinem Strahlenkreis herausfallen kann.  

O verzehrendes Feuer, Geist der Liebe, „komm über mich", damit in meiner Seele gleichsam eine Inkarnation des Wortes geschehe : damit ich Ihm eine weitere Menschheit sei, in der Er sein ganzes Mysterium erneuert. Und Du, o Vater, neige Dich zu Deinem armen, geringen Geschöpf herab, „bedecke es mit Deinem Schatten", sieh in ihm nur den „Viel-Geliebten, an dem Du Dein Wohlgefallen hast".

O meine Drei(faltigkeit), mein Alles, meine Seligkeit, unendliche Einsamkeit, Unermesslichkeit, in die ich mich verliere, ich liefere mich Dir als Beute aus. Senke Dich ganz in mich hinein, damit ich mich in Dich versenke, bis ich einst in Deinem Licht zur Anschauung Deiner unermesslichen Größe and Erhabenheit gelange.

Eine derartige Offenheit im Glauben an den dreifaltigen Gott erleben wir in ihrer reinsten Form in Maria, der Mutter Jesu: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1:45) So spricht Elisabeth, erfüllt vom Hl. Geist über Maria, die gekommen ist, ihr in der Schwangerschaft zu helfen.

Elisabeth hat, erleuchtet vom Hl. Geist, begriffen, dass Maria ihr den König des Friedens bringt, der ihr seinen Frieden gibt. Die Gospa hat in Medjugorje diese Botschaft ausdrücklich ausrichten lassen und zugleich damit eindringlich eingeladen: „Ihr meine Kinder, betet, betet, beten!“

Das Gebet wirkt in uns das Wunder der Hinwendung zu Gott, das Wunder der Öffnung unseres Herzens und unseres Lebens für Gott, das Wunder des Hineintretens in das Geheimnis des dreifaltigen Gottes. Kein Wunder also, wenn die Gospa dann anfügt: „deshalb, meine lieben Kinder, möge das Gebet für euch Freude sein.“

Und so sagt die Gospa in der Botschaft vom 25.11.2013 zu uns: „Heute rufe ich euch alle zum Gebet auf. Meine lieben Kinder, öffnet die Tür des Herzens tief im Gebet, dem Herzensgebet. Dann wird der Allmächtige auf eure Freiheit einwirken können und die Bekehrung wird beginnen.“ Amen!

Donnerstag, Juni 12, 2014

Jesus vom Geist - der Geist von Jesus






Lesung aus Apostelgeschichte 2:1 – 11

1Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
2Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
3Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
4Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
5In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
7Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
8Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
9Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,
10von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
11Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes 20:19 – 23

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.
21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!
23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.



Ein Ereignis für alles Sinne ist das Pfingstfest: Die Ohren der Jünger hören das Brausen vom Himmel her; ihre Augen sehen die Feuerzungen, die sich auf jeden von ihnen herablassen. Und in ihrem Herzen empfinden sie die Freiheit und den Drang zu reden, was der Geist ihnen eingibt. Sie reden zu den Leuten, die zusammenlaufen, weil auch sie das Rauschen hören und die Feuerzungen sehen. Und die Leute verstehen, was die Jünger reden: Sie erzählen von Gottes großen Taten – und damit ist gemeint das Ereignis Jesus Christus.

Was da zu Pfingsten an den Jüngern geschehen kam gewiss überraschend in der Weise wie es geschehen ist – das Sturmbrausen, die Feuerzungen, das entfesselte Reden der Jünger und das Verstehen bei den Zuhörern.
Aber es kam über eine betende, wartende Gemeinschaft, die sich im Auftrag Jesu zusammengefunden hat und sich so öffnete und ausstreckte nach der Kraft aus der Höhe: Sie beteten und warteten, dass diese Kraft kommen werde – aber wie, wussten sie nicht.

Was da in der Lesung erzählt wird, wird in seinem stillen, einfachen Kern im Evangelium berichtet: Dass nämlich der Hl. Geist eine Gabe des auferstandenen Jesus Christus ist; dass sie in Form des Atems eine Gabe aus seinem Innersten ist – eine Herzensgabe; dass der Hl. Geist jener Atem ist, von dem Jesus lebt und von dem auch wir leben sollen. Es ist göttlicher Atem, göttlicher Geist.

Der Hl. Geist kommt vom Vater durch Jesus Christus und er führt zu Jesus hin und durch Jesus zu Gott, dem Vater. „So kann keiner sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Hl. Geist redet.“ (1Kor 12:3b)

Will ich also wissen, ob ich den Hl. Geist habe, ob ich aus ihm lebe, muss ich schauen, wie meine Beziehung zu Jesus ist. Ist mir Jesus egal, dann habe ich irgendeinen Geist – nur nicht den Heiligen.
Wenn ich für Jesus brenne, wenn er in meinem Herzen wohnt, wenn sein Name auf meinen Lippen ist – dann darf ich mir gewiss sein, dass der Hl. Geist mich erfüllt und bewegt. Und eben das ist in der Lesung geschehen: Erfüllt vom Hl. Geist haben die Jünger Gottes große Taten in Jesu Tod und Auferstehung verkündet und so für alle Menschen das Tor geöffnet zur Gemeinschaft mit den Jüngern Jesu. Durch Hören der Botschaft von Jesus, durch Umkehr und Taufe gehen sie durch das Tor ein in diese Gemeinschaft, die schon bald den Namen Kirche tragen wird.

Wir merken schon, der Hl. Geist führt in diese Gemeinschaft hinein, er lässt sie wachsen und belebt sie wie einen Leib. Deshalb wird diese Gemeinschaft sehr bald der sichtbare Leib Christi in dieser Welt genannt. Wer diese Gemeinschaft verlässt und andere auch dazu verführt, kann nicht im Hl. Geist handeln, denn er reißt auseinander und spaltet, was der Hl. Geist zusammengeführt und im Namen Jesu verbunden hat.

Der Hl. Geist verbindet nicht nur mit Jesus – er macht wie Jesus: das heißt, er lässt die Jünger wie Jesus handeln: in  Lesung und Evangelium verkünden sie wie Jesus Gottes große Taten, das heißt, sie verkünden, dass Gottes Königsherrschaft gekommen ist; sie werden wie Jesus befähigt, Sünden zu vergeben und so die Menschen der Macht des Bösen zu entreißen. Damit sind die zentralen Aufgaben Jesu bezeichnet, welche die Jünger nun in der Kraft des Hl. Geistes fortführen. Gleich darauf werden wir dann auch davon hören, wie sie gleich Jesus Kranke heilen. Sie leben, reden und wirken wie ein anderer Jesus hier auf Erden. Diese Ähnlichkeit mit Jesus wird der Hl. Geist schließlich so weit führen, dass sie sogar wie er und um seines Namens willen im Martyrium ihr Leben hingeben werden.

Der Hl. Geist kommt aus der Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Sohn und führt in diese Gemeinschaft hinein als Geschwister Jesu, als Kinder Gottes und als Intimfreunde dieses Hl. Geistes. Er ist ganz göttliches Wesen und gibt uns Anteil an diesem göttlichen Wesen. Er ist ganz göttliches Leben und gibt uns göttliches Leben. Darum dürfen wir jetzt mit Recht dieses göttliche Leben bezeugen und gemeinsam die Pfingstsequenz beten im GL 344:
Komm herab, o Heil‘ger Geist, / der die finstre Nacht zerreißt, / strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt, / komm, der gute Gaben gibt, / komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit, / Gast, der Herz und Sinn erfreut, / köstlich Labsal in der Not,
in der Unrast schenkst du Ruh, / hauchst in Hitze Kühlung zu, / spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht, / fülle Herz und Angesicht, / dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Weh’n / kann im Menschen nichts bestehn, / kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein, / Dürrem gieße Leben ein, / heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart, / löse, was in sich erstarrt, / lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut, / das auf deine Hilfe baut, / deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn, / deines Heils Vollendung sehn / und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja.