Samstag, Juli 26, 2014

Mein Schatz


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 13: 44 – 46

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
44Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.




Jeder Händler preist seine Ware an und will zum Erwerb anregen. Dabei bemüht er sich mit ansprechenden Worten und Bildern seine Waren möglichst gefällig zu machen.

Jesus ist auch so wie ein Händler. Bei ihm geht es nur um eine einzige Ware – um das Himmelreich! Sein ganzes Leben steht im Zeichen dieser Ware: Sein Reden und Tun, seine Zeichen und Wunder, vor allem sein Leiden, Sterben und Auferstehen wollen ausdrücken, was Himmelreich bedeutet.

Das heutige Evangelium enthält zwei einprägsame Bilder vom Himmelreich: Den Schatz im Acker und die kostbare Perle. Ausdrücklich erwähnt wird dabei die Freude, die der Schatz und gewiss auch die Perle hervorrufen. Diese Freude wird zum Motor für das folgende Handeln: für das Verkaufen von allem und dem Erwerb des Schatzes bzw. der Perle!

Dieses Gleichnis ins Leben übersetzt finden wir in der Berufung der Jünger. Dort hören wir, wie Jesus die Jünger in seine Nachfolge ruft, wie sie sogleich ihre Arbeit als Fischer sein und alles liegen lassen und Jesus nachfolgen.
Sie haben in Jesus und in der Gemeinschaft mit ihm jenen Schatz und jene Perle gefunden, die es wert waren alles andere in ihrem Leben zurückzulassen und sich ganz Jesus und der Gemeinschaft mit ihm zu widmen.
Mit Jesus ist ihnen etwas begegnet, das sie bisher noch nie erfahren haben; etwas, das ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt hat; etwas, das eine Freude in ihr Leben gebracht hat, die sie bisher noch nie erlebt haben.
Diesen Schatz, diese Perle und die Freude daran haben sie nicht selber erzeugt; das wurde in ihr Leben hineingetragen; das wurde ihnen geschenkt.
Dieser Schatz wurde für sie erst zum Schatz dadurch, dass Jesus sie angesprochen und gerufen hat: „Folgt mir nach!“ Dadurch also, dass Jesus mit ihnen Kontakt aufgenommen hat. Damit hat Jesus ihnen eine neue Perspektive für ihr Leben eröffnet, für die sie ihr bisheriges Leben mit Freude hergegeben haben.

Im Gleichnis des Evangeliums wird nicht erzählt, was der glückliche Finder mit dem Schatz und was der Perlenkaufmann mit der kostbaren Perle gemacht hat.

Sehr wohl aber erfahren wir das gesamte Evangelium hindurch und darüber hinaus, was die Jünger mit dem Schatz gemacht haben, den sie in Jesus gefunden haben.
Oder sagen wir es besser: Wir erfahren, was der „Schatz“ Jesus mit ihnen gemacht hat: wie er sie gebildet und geformt hat; wie sie von ihm gelernt haben so sehr und so weit, dass sie schließlich selber zu einem Schatz geworden sind für viele andere. Die besondere Formungskraft dabei war der hl. Geist.

Wir kommen gerade als Christen nicht um die Frage herum, wie denn das bei uns zusammenpasst: Jesus als Schatz unseres Lebens? Ist er das? Und wenn nicht, warum? Und wenn er es nicht oder nicht mehr ist, möchten wir, dass er es erneut wird, der Schatz unseres Lebens? Sehr persönliche und sehr wesentliche Fragen für die Gestaltung unseres christlichen Lebens.

Ein Gedanke, der bei der Beantwortung dieser Fragen helfen kann. Es führt ein Weg hin zum Schatz und zur Perle; und der Weg geht weiter mit dem Schatz und mit der Perle. Schatz und Perle liegen am Weg. Offenheit, Wachsamkeit, Aufmerksamkeit helfen, dass Schatz und Perle in mein Leben einbrechen können. Schließlich liegt der Schatz in schmutzigem Erdreich verborgen. Ist nicht auch meine Erde reich durch einen Schatz in ihr? Weiters die Ahnung, dass Schönstes noch vor mir liegt. Der Mut auch, mich auf neues Leben, neue Schätze einzulassen. Sind wir Christen nicht prädestinierte Schatz- und Perlensucher?

Mit Weg, mit Unterwegs hat auch der heutige Sonntag zu tun, der Christophorus Sonntag. Da haben wir die Möglichkeit, über die MIVA mitzuhelfen, dass andere den Schatz und die kostbare Perle ihres Lebens entdecken können. Ein Zehntelcent für jeden unfallfrei gefahrenen Kilometer hilft mit, die Frohe Botschaft und lebensnotwenige Hilfe zu Menschen in den ärmsten Gegenden der Welt zu bringen. Ich lade ein zu Großzügigkeit und bedanke mich im Namen der Betroffenen. Amen!

Mittwoch, Juli 16, 2014

Siehe, deine Mutter!


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 19:25 - 27

25  Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
26  Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!
27  Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.



In festlicher und dankbarer Freude feiert der Karmel heute seine Mutter: die selige Jungfrau Maria vom Berge Karmel. Der Karmel dankt heute in seinen vielen Gliedern, was Gott ihm durch Maria geschenkt hat. Und wenn ich sage „ihm, dem Karmel geschenkt hat“ dann meine ich damit zugleich, was Gott der Welt geschenkt hat. Was wir Karmeliten nämlich von unserer Mutter geschenkt bekommen, bekommen wir geschenkt für die Welt, in der wir leben; für die Menschen, mit denen wir beisammen sind. Als Beschenkte werden wir Schenkende; und der Auftrag zu schenken ist bereits im Geschenk enthalten. Umsonst haben wir empfangen, umsonst sollen wir geben! Nur so können wir unserer Mutter gerecht werden; nur so können wir ihre Kinder sein.

Wie ich heute vormittags nach dem Beichthören zum Auto gegangen bin drunten bei den Serviten im Garten, bedankte sich die Gärtnerin für meinen Dienst. Darauf erwiderte ich ihr: Die Herausforderung ist da, die Not ist groß; wenn ich da nicht so weit möglich Antwort gäbe, würde ich mich versündigen. Sie darauf: „Leider denken andere nicht so!“

Vor allem im heutigen Evangelium kommt es so deutlich zum Ausdruck, dass Jesus uns seine Mutter schenkt, indem er von seiner Mutter zu seinem Lieblingsjünger sagt: „Dies ist deine Mutter!“ Es ist schon unglaublich, dass Jesus in seinen letzten Atemzügen noch an seine Mutter, an seinen Jünger an uns alle denkt. Dass er dies tut, sagt uns, dass er mit diesen wenigen Worten etwas ganz großes tut: Er lässt Maria nicht allein und ausschließlich seine eigene Mutter bleiben sondern er breitet ihre Mutterschaft auf seinen Jünger und damit auf die ganze Kirche, ja auf alle Menschen aus.
Da Jesus also zu Maria nicht sagt: Du bist jetzt nicht mehr meine Mutter, dürfen wir uns glücklich schätzen, mit Jesus Kinder Mariens zu sein. Jesus ist nämlich die Seele der Mutterschaft Mariens. Von dort her kommt aller Segen, alle Liebe, alles Leben, das seit jenen denkwürdigen Worten Jesu durch Mariens Muttersein über die Kirche, über den Karmel und über die ganze Welt ausströmte.
Von Maria hören wir keinen Kommentar. Sie lässt sich verschenken. Und sie konnte dies tun, weil sie zuvor unbegreiflich überreich beschenkt wurde mit ihrem Sohn – in dem sich niemand geringerer an die Welt verschenkt als Gott!

Maria hat sich von Anfang an ganz hineinziehen lassen in die Liebe Gottes, die sich hingibt für das heil und die Erlösung der Welt. Wie könnte sie sich jetzt noch verweigern? Das ist unmöglich! Denn sie ist schon eine ganz Geprägte von der Liebe Gottes, die sich selber ganz gibt! Und jetzt unter dem Kreuz wird sie völlig besiegelt durch diese Liebe Gottes und ganz in diese Liebe hineingegeben!

Wir können von den großen Gestalten des Karmel anschauen, welche auch immer – jede trägt auf ihre Weise die Handschrift der Karmelmutter: jede dieser Gestalten wird als Beschenkte eine Schenkende; jede wird als Gegebene eine Gebende!

Das ist ein Prozess der Erlösung, in den wir durch das Beten eingetaucht werden und uns eintauchen lassen. Darum spielt im Karmel das Beten die zentrale Rolle! Nur betend können wir unsere Karmelberufung erkennen; nur betend können wir sie leben; nur betend können wir uns je neu beschenken lassen; nur betend können wir uns verschenken lassen und von ganzem Herzen in dieses Hergeben einstimmen – wie Maria es getan hat. Ihr Schweigen im heutigen Evangelium ist dabei ein unmissverständlicher Hinweis auf das kontemplative Beten in Schweigen und Stille. In diesem Beten liegt die Fruchtbarkeit des Karmel mitbegründet.

Ich glaube, nun ist deutlicher geworden, warum wir heute unsere Karmelmutter feiern mit großer Dankbarkeit und Freude und in der Gewissheit, dass dem Karmel die Zukunft gehört!

Das Skapulier ist ein äußeres Zeichen, das alle Mitglieder der Karmelfamilie verbindet und das für jeden Menschen gedacht ist, der nach reiflicher Vorbereitung und Prüfung seiner Berufung in diese Familie der Schwestern und Brüder der seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel aufgenommen werden möchte.

Du Blume des Karmel, du Weinstock, der blüht, du Jungfrau und Mutter, einzig erwählt.
Du gütige Mutter ohn’ Mannes Hilfe, uns Karmeliten schenk deine Hilfe, du Meeresstern! Amen!

Freitag, Juli 11, 2014

Säfrau/Sämann und Erdreich

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+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 13:1 – 9



1An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees.

2Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich; die Leute aber standen am Ufer.

3Und er sprach lange zu ihnen in Form von Gleichnissen. Er sagte: Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.

4Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.

5Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war;

6als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.

7Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat.

8Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach.

9Wer Ohren hat, der höre!



I




Mit dem eben gehörten Gleichnis zeichnet Jesus sehr anschaulich und realistisch den Weg, den der Samen des Wortes geht. Es geht dabei um das Wort vom Reich. Vom Reich Gottes nämlich, das Jesus und nach ihm seine Jünger verkünden. Zu diesen Jüngern gehören alle, die sich in besonderer Weise der Verkündigung dieses Wortes widmen. Insofern aber diese Verkündigung ein Herzensanliegen eines jeden Christen ist, ist auch jeder Christ betroffen. Jeder Christ ist Sämann dieses Wortes – und er ist es um so lieber je lieber ihm Jesus ist; denn dieses Wort ist Jesu Wort: es kommt aus seinem Herzen und aus seinem Mund. In diesem Wort ist Jesus selber auf besonders intensive und persönliche Weise gegenwärtig.



Je mehr wir uns nun als Christenmenschen mit diesem Gedanken beschäftigen, dass wir und wie wir Sämann des Wortes Gottes sind, desto mehr dämmert es uns, dass wir zugleich auch Empfänger dieses Wortes sind und bleiben.



Im Gleichnis zeigt uns Jesus vier Möglichkeiten, mit dem Wort Gottes umzugehen:

„Immer wenn ein Mensch das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt alles weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; hier ist der Samen auf den Weg gefallen.

Auf felsigen Boden ist der Samen gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt, aber keine Wurzeln hat, sondern unbeständig ist; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er zu Fall.

In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum, und es bringt keine Frucht.

Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt dann Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.“ (Mt 13:19-23)



In welchen dieser vier Möglichkeiten finden wir uns mehr oder weniger wieder? Womöglich werden wir alle vier Möglichkeiten im Verlauf unseres Lebens entdecken! Der Idealfall ist freilich, dass der Samen in fruchtbare Erde fällt und vielfach Frucht bringt. Auf dem Weg dorthin werden wir womöglich erleben, wie wir Gottes Wort zurückweisen, wie anfängliche Begeisterung über Gottes Wort abkühlt oder erlischt und wie die Sorgen des Alltages das Wort Gottes ersticken.



Eine Weise der Fruchtbarkeit des Wortes Gottes ist seine Aussaat. Wie ich also das Wort Gottes aufnehme, bestimmt, wie ich es aussäe. An meiner Aussaat kann ich ablesen, wie und ob das Wort Gottes bei mir angekommen ist. Ist nichts angekommen kann ich auch nichts aussäen; war’s bloß ein Strohfeuer oder ein erfolgloses Ringen im alltäglichen Sorgen, so zeigt mein Leben doch eine gewisse Empfänglichkeit, ein anfängliches Interesse am Wort Gottes und die Möglichkeit, dass ich von Gott ansprechbar und berührbar bin.



Das Wort Gottes ist vor allem anderen als verbale Äußerung zu verstehen – aber nicht nur. Es ist auch jede Äußerung gemeint, die vom Wort Gottes angeregt und beseelt ist – jedes Bild also, jede Musik, jede Haltung, jede Tat, jede irgendwie geartete Äußerung, die sich dem Wort Gottes verdankt.



Wir dürfen mit Gewissheit annehmen, dass das Wort Gottes aus seinem liebenden Herzen kommt: es ist ein Liebeswort! Ein Liebeswort Gottes, ein Liebeswort Jesu! Und im Hinblick auf uns hat Gott keine größere Sehnsucht, als dass sein Wort, aus Liebe gesprochen auch liebvoll aufgenommen wird. Wir können das allein schon aus unserem Zusammenleben mit unseren Mitmenschen ablesen. Wie sehr schmerzt es, wenn unsere Worte nicht ankommen oder nicht entsprechend aufgenommen und gewürdigt werden – besonders, wenn wir es gut meinen!



Wie sehr wird es nun also Gott weh tun,

wenn sein Wort wohl gehört aber nicht verstanden wird,

wenn es keine Wurzeln in uns schlagen kann und nur anfänglich aufgenommen wird

und wenn schließlich die Sorgen unseres Alltages wichtiger sind als sein Wort.

Dass Gott dennoch sein Wort unverdrossen aussät, zeigt, dass er nicht zimperlich ist, weil er uns über alles liebt und weil er möchte, dass sein Wort uns unbedingt erreicht und wir von ihm leben.



So können wir uns auch die Freude vorstellen, wenn der Samen seines Wortes in unserem Leben vielfache Frucht bringt! Diese Freude wird seinen Schmerz um ein vielfaches aufwiegen, den er erleidet, wenn sein Wort nicht sein Ziel im fruchtbaren Erdreich findet.

Und tatsächlich zeigt uns die Erfahrung auch aus unserem bäuerlichen Bereich, dass die allermeisten Samenkörner auf guten Boden fallen und dass die Verheißung aus der 1. Lesung sich erfüllen wird: „Wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“ (Jes 55:10f) Amen!

II


Mit dem Gleichnisbild von der Aussaat von Samenkörnern beschreibt Jesus sehr anschaulich, was mit seinem Wort geschehen kann, das wir durch Verkündigung hören.

Angefangen damit, dass wir es nicht verstehen und also nicht aufnehmen können
über die anfängliche Begeisterung darüber, die jedoch verlöscht, sobald wir deswegen in Schwierigkeiten geraten
weiters über die Sorgen des Alltages, denen gegenüber das Wort Jesu nicht bestehen kann
bis hin zu jenem Zustand, in dem das Wort Jesu in uns Frucht bringen kann.

Keine dieser vier Stationen wird uns völlig fremd sein.

Das Gleichnis Jesu erinnert an unsere Unfähigkeit, die Worte Jesu zu begreifen, weil sie manchmal wie von einem anderen Stern zu kommen und unserem Leben so fremd scheinen.

Es erinnert uns daran, wie sein Wort uns in Begeisterung mit ihm verbunden hat und eine Freundschaft vorgetäuscht hat, die sich dann als brüchig erwiesen hat, wenn wir damit bei unseren Mitmenschen Anstoß erregt haben.

Es erinnert uns daran, dass seine Worte nicht die Kraft hatten, uns durch die Mühen und Sorgen des Alltags zu tragen; vielmehr erlebten wir unser Alltagsleben als Übermacht, die Jesu Wort zerbröselte.

Gott sei Dank durften wir aber auch erleben, wie manches seiner Worte uns dermaßen erfüllte, bewegte und stärkte, dass daraus gute Gedanken, Worte und Werke erwachsen sind.

Was sollen wir mit dieser Palette an Erfahrungen mit dem Wort des Herrn bloß anfangen? Was sollen wir daraus lernen? Welche Schlüsse sollen wir daraus ziehen?

Zum Beispiel den, dass sich Gott nicht scheut, sein Wort in die Vielfalt unseres Lebens hineinzulegen. Nicht deswegen, weil ihm sein Wort wenig wert ist, sondern weil wir ihm über alles wert sind; deswegen gibt er uns sein Wort in jede Situation mit. Er spricht sein unendlich kostbares Wort uns Menschen zu, weil wir ihm unendlich kostbar sind – in jeder Situation unseres Lebens:
In unserer Unfähigkeit, ihn zu verstehen;
in unserer Schwachheit, ihm treu zu bleiben;
im alltäglichen Leben mit allem, was an Freud und Leid uns beschäftigt und von ihm abhält;
und schließlich in unserer Fähigkeit, uns von ihm ansprechen, berühren und bewegen zu lassen.

So zeigt uns der Herr ein unerschütterliche Beständigkeit im Stehen zu uns; in der Treue zu uns; in der Liebe zu uns. Unsere Begrenztheit, unsere Enge, unsere Feigheit, unser Wankelmut, unsere Fixiertheit – einfach nichts hält ihn davon ab, uns unverdrossen anzusprechen, uns seine Gegenwart und Nähe immer wieder zu schenken; sich für uns unablässig zu interessieren.

Gott verhält sich so nicht, um uns zu beschämen; vielmehr möchte er uns angesichts unserer Schwachheit stärken und ermutigen, dass wir uns unserer Stärke besinnen, die darin besteht, dass wir Wesen sind, die empfänglich sind für Gott, für sein Wort, für seinen Sohn, für seinen Geist – und für alles, was er uns an Lebensfülle dadurch schenken kann und schenken will!

Diese Besinnung auf diese unsere Stärke soll sich entfalten im unablässigen Bemühen um das Wort Gottes:
Dass wir es immer wieder hören und lesen;
dass wir uns bemühen um ein je tieferes Verständnis durch Gebet, Gespräch und Lektüre;
dass wir uns zur Treue entschließen dem Herrn gegenüber – denn Treue ist ja zuerst nicht ein Gefühl sondern ein Entschluss;
dass wir uns gerade in den Mühen und Sorgen unseres Alltages unverdrossen auf Worte des Herrn besinnen und sie so zu Lebens- und Kraftquellen werden lassen;
dass wir schließlich dankbar bleiben für alles Gute, das uns der Herr durch sein Wort schenkt.

So wollen wir beständig versuchen, Treue mit Treue zu beantworten. Der Versuch zählt nämlich und wir werde erfahren, wie das Wort des Herrn in jeder Hinsicht Leben in Fülle ist. Amen!
 

Samstag, Juli 05, 2014

Jesu mildes Joch


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Matthäus 11: 25 – 30

25In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
26Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.
29Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
30Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.



“Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.” (Mt 11:28)

Diese Einladung, zu Jesus zu kommen, ergeht nicht an alle. Sie ergeht an eine bestimmte Gruppe von Menschen: die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben.
Sie lässt uns daran denken, dass Jesus gesagt hat, er sei „gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten“ (Mt 9:13b) und dass die Kranken den Arzt bräuchten und nicht die Gesunden (vgl. Mt 9:12)
Sie ruft zudem in Erinnerung, was Jesus den Jüngern geantwortet hat, die Johannes der Täufer zu ihm geschickt hat mit der Frage: „Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
4  Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht:
5  Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und den Armen wird das Evangelium verkündet.“ (Mt 11:3-5)

Jesus hat offensichtlich über die Plagen der Menschen einen besonderen Zugang zu ihnen: Nicht über die Prunkstiege ihrer Vorzüge sondern durch die Hintertüre ihrer Schattenseiten.
Damit Jesus auch Zugang zu mir findet, brauche ich keine Mühen zu erfinden – ich brauch nur die aufzusuchen, die ich bereits habe!
Ich brauche mich nur mit dem zu befassen, was ich an mir ablehne. Ich brauche mich nur mit dem zu konfrontieren, was ich gerne ausblende, weil ich es nicht mag.
Jesus mag es, weil er mich mag!
Jesus gehört zu jener exotischen Sorte von Menschen, die offen sind für das an  mir und in mir, wofür die meisten Menschen inklusive meiner selbst verschlossen sind.
Und er ist nicht passiv offen indem er sagt: „Ja, wenn es halt unbedingt sein muss, dann komm halt mit deinen Mühen in Gottes Namen zu mir!“
Er ist aktiv offen, indem er einlädt und sagt: „Du bist mit deinen Mühen und deinem Minus bei mir herzlichst willkommen – gerade im Namen Gottes! Im Namen jenes Gottes, dessen Sohn ich bin und dessen Liebe ich zu dir bringe.
In dieser herzlichen Annahme bietet Jesus uns sein Joch an und wir dürfen lernen, dass jede Last in mir und im anderen leichter wird durch liebevolle Annahme.
Bereits die Theologen der frühen Kirche haben diese Joch Jesu in die prägnante Formel gefasst: Nur was angenommen wird, wird auch erlöst. Damit war gemeint, dass Gott den Menschen ganz erlösen konnte erst nachdem er ihn in Jesus ganz angenommen hat. Mit anderen Worten kommt so die beglückende Wahrheit zum Ausdruck, dass Gott in Jesus Christus ganz wie wir Mensch geworden ist.

Jetzt können wir auch etwas weiteres besser verstehen: dass nämlich Jesus nach seiner Einladung nicht sagt: Er werde die Plagen entfernen und die Lasten abnehmen! Sondern er sagt: „Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Und wie tut er dies? Indem er uns in seinem Beispiel das milde Joch anbietet, positiv liebevoll mit unseren Plagen und Lasten umzugehen.
Sie gehören nämlich zu uns, sind aus unserem Leben herausgewachsen. Sie sind Wir! Indem wir sie verwerfen, verwerfen wir unser Leben, verwerfen wir uns selber. Sie wollen geheilt werden – und das geht nur durch liebevolle Annahme.

Wenn wir mit einer Wunde am Arm zum Arzt gehen, dann wird der nicht kurzerhand den ganzen Arm abtrennen. Er wird vielmehr die Wunde behutsam begutachten, säubern, desinfizieren und verbinden. Dann kann sie allmählich heilen und der Arm, ja, der ganze Mensch wird wieder gesund.

Selten kommt in einem anderen Wort Jesu so klar zum Ausdruck, dass er unser Arzt ist für Leib und Seele. Und dass er uns seine ärztliche Kunst lehren möchte. Diese Kunst zielt darauf ab, uns mit unseren Plagen und Lasten auszusöhnen, eine größere Einheit in uns zu schaffen und so die Ruhe und den Frieden in uns zu mehren.

Das milde Joch Jesu ist seine herzliche Liebe zu uns, die wir oft so herzlos sind uns selbst und einander gegenüber. Jesus möchte uns zu herzlichen Menschen machen und beginnt damit heute einmal mehr bei uns selber. Er möchte die Liebe in uns ordnen und uns vorbereiten für sein großes Gebot: „ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot.  Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mt 22:37 – 39)

Heute schaut Jesus auf die rechte Liebe zu uns selbst. Ohne die können wir nämlich weder den Nächsten noch Gott in rechter Weise lieben. Denn wir haben nur ein Herz, mit dem wir Gott, den Nächsten und uns selber lieben. Darum können wir nicht Gott lieben mit ganzem Herzen und zugleich uns selber oder den Mitmenschen hassen!

Im heutigen Evangelium erschließt uns Jesus sein mildes Joch, sein demütiges Herz als eine Quelle göttlichen Erbarmens, damit wir daraus trinken zu unserem Heil, zu unserem Frieden, zur Freude aller, die zu uns gehören und da vor allem zur Freude Jesu, der gepriesen sei in Ewigkeit. Amen!