Sonntag, April 26, 2015

Guter Hirte


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 10: 11 – 18

11Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
12Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
13weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
14Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
15wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
16Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
17Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
18Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.



I

Ich bin der gute Hirt.
Jesus macht da von sich eine positive Aussage. Und fügt gleich an, worin die Güte des Hirten besteht: dass er sein Leben hingibt für die Schafe. Leben für Leben.
Dabei lässt er offen, wie er diese Hingabe genau verwirklicht.
Das lässt sein gesamtes Leben als Hingabe erscheinen. Schauen wir uns das ausdrücklich an:
Zu dieser Hingabe gehört nicht nur, dass er leidet, am Kreuz stirbt und vom Tod zum ewigen Leben ersteht – wiewohl dieses Geschehen das Grunddatum seines Lebens ist.
Hingabe ist ebenso sein Menschwerden wie sein Predigen und sein heilendes Wirken.
Hingabe ist die Aussendung des Hl. Geistes und die Aussendung seiner Jünger in alle Welt.
Hingabe ist sein zeichenhaft reales Fortleben in Brot und Wein, im Geringsten der Menschen, im Wort des Evangeliums, in der Gemeinschaft der Kirche.

Jesus fasst die Hingabe des guten Hirten deshalb so weit, dass sein ganzes Leben, sein ganzes Sein inbegriffen ist und wir die Frage, was denn in seinem Leben eigentlich nicht Hingabe sei beantworten müssen damit, dass wir sagen: Alles – alles ist Hingabe in seinem Leben und zur einfachen Lebensformel für Jesus finden: Sein ganzes Leben ist Hingabe für die Schafe!

Da es am heutigen Sonntag um Jesus als dem guten Hirten geht, ist diese umfassende Lebensformel für Jesus etwas zum Schauen, dann zum Staunen, dann zum Nachfragen; schließlich zum Danken und Loben.

Zum Schauen, denn der gute Hirt ist eines von mehreren Einstiegsfenstern in das Leben Jesu, damit wir es besser, tiefer, beglückender entdecken und erfahren können und so eine persönliche Begegnung mit dem guten Hirten Jesus ermöglichen.

Zum Staunen, denn es übersteigt jegliches menschliche Maß und lässt uns in diesem Übermaß nachfragen: Ja, woher hat denn der Jesus das? Wie kann er sein Leben dermaßen grenzenlos definieren als Leben für? Allein könnten wir diese Frage nicht beantworten und damit nicht zum Danken und Loben kommen.

Jesus selber verhilft uns zur Antwort im letzten Satz des Evangeliums: „Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen!“ Und wir wissen, dass er mit seinem Vater Gott meint! Jesu umfassendes rein gutes Hirtsein für die Schafe gründet in Gottes Art, Lebensgrundlage schlechthin zu sein für die Menschen – ja, für alles. Jesus formuliert dies aus, indem er der gute Hirt ist, der sein Leben hingibt für die Schafe.

Darum können wir genauso gut sagen: Gott ist der gute Hirt, der sein Leben hingibt für die Schafe, was wir ja eigentlich im ‚Vater unser Gebet’ zum Ausdruck bringen. Zu diesem Gut Hirten Sein Gottes gehört es schließlich auch, dass er es im Menschen Jesus von Nazareth uns menschlich ganz nahe gebracht hat.

Die Idee zu dieser Vermenschlichung finden wir bereits in den Schriften des ersten Bundes beim Propheten Ezechiel Kapitel 34:
11  Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.
12  Wie ein Hirt sich um die Tiere seiner Herde kümmert an dem Tag, an dem er mitten unter den Schafen ist, die sich verirrt haben, so kümmere ich mich um meine Schafe und hole sie zurück von all den Orten, wohin sie sich am dunklen, düsteren Tag zerstreut haben.
13  Ich führe sie aus den Völkern heraus, ich hole sie aus den Ländern zusammen und bringe sie in ihr Land. Ich führe sie in den Bergen Israels auf die Weide, in den Tälern und an allen bewohnten Orten des Landes.
14  Auf gute Weide will ich sie führen, im Bergland Israels werden ihre Weideplätze sein. Dort sollen sie auf guten Weideplätzen lagern, auf den Bergen Israels sollen sie fette Weide finden.
15  Ich werde meine Schafe auf die Weide führen, ich werde sie ruhen lassen – Spruch Gottes, des Herrn.
16  Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

In Jesus ist diese Idee zur Vermenschlichung Fleisch und Blut geworden – Mensch wie wir.
Da ist nun durchwegs die Rede von meinen Schafen, um zu signalisieren, dass Gott sich dabei um sein Eigentum kümmert.
Jesus bleibt vorerst im Allgemeinen und spricht von den Schafen, um sein Hirtsein universal zu fassen und keines der Schafe von seiner Hirtensorge von vornherein auszuschließen.
Erst auf dieser allumfassenden Grundlage wird Jesus von seinen Schafen reden und sagen: „Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich.“ Ein Kennen, das erst möglich ist durch persönliche Begegnung mit und in der Folge durch persönliche Entscheidung für diesen guten Hirten Jesus. Ein Kennen, das von Herzen kommt und aus dem Glauben erwächst an die ultimative Lebensfülle, die Jesus, der gute Hirt, denen vermittelt, die ihm folgen und zu seinen Schafen gehören wollen.

Jesus möchte guter Hirt für alle Schafe sein, will und kann das jedoch nur für jene sein, die auch seine Schafe sein wollen.
Denn außer in ihm ist bei keinem anderen das Heil zu finden. „Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ (Apg 4:12) Der so redet, ist der Apostel Petrus in der Lesung. Er kann so reden, weil er vom Hl. Geist erfüllt ist und die Rettung durch Jesus bereits auf mehrere Weisen erfahren hat.

Wirkliches, von Gott her kommendes Heil, drängt sich nicht auf – es biete sich an, es ist eine Einladung, die uns an unsere Freiheit erinnert, sie anzunehmen oder abzulehnen. Was bei diesem Angebot zwingend ist, das ist allein die Liebe, die allein das Wohl der Schafe im Sinne hat. Den guten Hirten interessiert nicht Geld und Profit – ihn interessieren die Schafe selber und ihr Wohlergehen, ihr Leben – und das in Fülle.

Diese Liebe des guten Hirten liegt wie ein Pfeifen in der Luft. Für dieses Pfeifen die Ohren zu öffnen und offen zu halten ist Hirtendienst an uns und aneinander. Die hl. Teresa von Avila schreibt von diesem Pfeifen: Wie ein guter Hirte lässt er (seine Schafe) mit einem so zarten Pfeifen, dass sie es kaum selber merken, seine Stimme hören, damit sie nicht mehr verloren umherirren, sondern zu ihm zurückkehren. Und solche Kraft hat dieses Pfeifen des Hirten, dass sie alles  aufgeben, durch das sie ihm entfremdet waren, und zu ihm gehen. (vgl. 4M3,2)

So gelangen wir schließlich zum Danken und Loben, dass wir in Jesus einen guten Hirten haben, der es nur gut meint mit uns. Dem unser Leben vor allem am Herzen liegt. Die gläubige Erfahrung dieser Liebe ist ein Zündfunke in uns, der in uns Hirtenliebe füreinander wachruft, denn eine derartige „Liebe für“ kann nicht in uns eingeschlossen bleiben  als Liebe bloß für uns allein; sie muss sich entfalten zu einer Liebe füreinander und hilft uns die Weisung des Herrn lebendig zu verwirklichen: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe“. (Joh 15:12) Denn „es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“
(Joh 15:13) Amen!


II

Ich bin der gute Hirt – so spricht Jesus heute über sich selbst.
Was macht einen guten Hirten aus? Dass er viele und gute Schafe hat? Oder, dass er eine gute Hirtenausrüstung hat?
Nein, sondern dass er sein Leben hingibt für die Schafe – egal, ob es wenige oder viele sind; gesunde oder kranke; folgsame oder widerspenstige.

Der Gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe – eine weitere interessante Aussage.
Er gibt sein Leben hin – egal wann; egal wo; egal wie.
Er gibt sein Leben hin – unbegrenzt!
Uneingeschränkt ist er für die Schafe da!

Damit wir die Hingabe des guten Hirten noch  besser verstehen, setzt Jesus im bezahlten Knecht gleich ein Gegenbeispiel:
Der gibt sein Leben auch hin – aber gegen Lohn!
Der gibt sein Leben auch hin – aber nur so lange, wie sin eigenes Leben ungefährdet ist.
Wenn es lebensgefährlich wird ist er weg; sein eigenes Leben sind ihm die Schafe nicht wert.

Wenn wir auf unser eigenes Leben schauen in der Beziehung zu unseren Mitmenschen, machen wir eine interessante Entdeckung: Wir werden sowohl den guten Hirten wie auch den bezahlten Knecht in uns entdecken:

Wir werden uns erleben als gute Hirten, wenn wir freudig, bereitwillig und selbstlos für andere da sind und erleben uns doch auch als bezahlte Knechte, wenn wir für unseren Hirtendienst Lohn erwarten und erhalten – wenn schon nicht Geld so doch zumindest ein Dankeschön, über das wir uns dann doch auch freuen.

Wir erleben uns als Hirten da in einem Zwiespalt: Auf wen schauen wir mehr – auf die Schafe oder auf uns selber.
Auch wir brauchen was zum Leben; auch wir müssen einmal schlafen und uns erholen – nicht zuletzt auch deswegen, damit wir dann wieder guten Hirtendienst tun können.

Jesus hat ja auch geschlafen – und wie gut, damals im Schiff, das mitten im Sturm beinahe untergeht. Jesus hat einen guten Schlaf, weil er ein guter Hirt ist. Er ist sehr besorgt um seine Schafe – doch lässt er sich von seinen Sorgen nicht auffressen, weil er nicht allein steht in seinem Hirtendienst. Dieser Dienst ist ein Auftrag seines Vaters im Himmel. Er weiß, Gott steht hinter ihm. Auf den wirft er seine Sorgen. Der stärkt ihn aber auch in seinem Dienst.

Denn Jesus hat ja auch den Wolf kommen sehen und hatte sogar Angst davor! Denken wir an sein Ölbergerlebnis vor der Gefangennahme. Da hat er dem Wolf in die Augen geschaut und wäre ihm lieber ausgewichen. Das hat er aber nicht getan, sonder er hat zu seinem Vater gebetet: Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht mein Wille geschehe, sondern der deine. Und in diesem Willen Gottes hat er die Kraft erhalten, seinen Hirtendienst zu vollenden und sein Leben in den Tod hinzugeben für seine Schafe.

Das ist auch unsere Chance: Dass wir nicht alleine sind. Wir bekommen unseren Hirtendienst ja auch von Gott anvertraut. Damit ist er nicht nur Beruf sondern Berufung. Und wir dürfen sicher sein, dass Gott uns alles gibt, was wir zur Erfüllung unseres Dienstes brauchen.

Das wäre eine wichtige Frucht des heutigen Tages: Dass wir so weit kommen, dass wir von unserem Hirtendienst sagen können: Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater erhalten. Oder dass wir uns zumindest auf dem Weg dorthin machen.

Das wäre schon deshalb so wichtig, weil wir dann auch die rechte Hilfe gegen das eigentliche Übel des bezahlten Knechtes erhalten, nämlich gegen die Angst.
Die Angst ums Leben, die Angst zu kurz zu kommen. Angst macht eng. Sie wirft zurück auf einen selber.
Den guten Hirten zeichnet aus, dass er auch im liebenden Blick auf sich selber die Schafe nie aus dem Auge verliert. Denn die Liebe weitet.

So wie wir uns auf Jesus stützen und uns an ihm orientieren werden wir in der Liebe wachsen, unsere Ängste überwinden und der gute Hirt wird in uns zunehmend die Überhand gewinnen. Amen!

Mittwoch, April 22, 2015

Jesus, Stepanus und die Gospa


 
Lesung aus der Apostelgeschichte Apg 7:51 – 8,1a

In jenen Tagen sagte Stephanus zu dem Volk, den Ältesten und den Schriftgelehrten:
51Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt, eure Väter schon und nun auch ihr.
52Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid,
53ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt.
54Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen.
55Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen
56und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.
57Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los,
58trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
59So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!
60Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.
1aSaulus aber war mit dem Mord einverstanden.


+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 6:30 – 35

In jener Zeit sagte die Menge zu Jesus: 
30Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du?
31Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.
32Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
33Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
34Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!
35Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.




Oase des Friedens am 21.4.15 in Wilten/Basilika

Predigt

Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir haben eben zwei wunderbare Botschaften gehört: Die von Jesus, dass er das Brot des Lebens ist und zuvor die seines Jüngers Stephanus, der die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen sieht.
Zwei fundamentale Botschaften über Jesus
über seine Beziehung zu Gott und
über seine Beziehung zu uns.
Zwei österliche Botschaften, die uns umso mehr mit Freude erfüllen je mehr wir uns Jesus zuwenden, je tiefer wir in ihn hineinblicken dürfen, je mehr sich Jesus uns mitteilen möchte.

Diese Freude erfüllt nicht nur uns sondern vor allen anderen auch seine Mutter Maria. In der Botschaft der Gospa an die Seherin Mirjana vom 2. April 2015 strahlt diese Freude wie eine Sonne auf. Darum soll diese Botschaft das Gerüst für diese Predigt abgeben und helfen, die Botschaft Jesu und des Stephanus zu lesen und zu verstehen.

So spricht denn die Gospa zu Mirjana:
Liebe Kinder! Meine Apostel, ich habe euch auserwählt, weil ihr alle in euch etwas Schönes tragt. Ihr könnt mir helfen, dass die Liebe, wegen der mein Sohn gestorben und danach auferstanden ist, von neuem siegt.“

Liebe Kinderundmeine Apostelnennt sie ihre Zuhörer und stellt sich so als liebende Mutter und als die Königin der Apostel vor.
Auserwählt habe sie ihre lieben Kinder, weil sie etwas Schönes in sich tragen! Was wir dieses Schöne denn wohl sein, was sie so sehr anspricht? Es ist keine äußere kosmetische Schönheites ist eine innere Schönheit, die sie in ihrem Herzen tragen.
Lassen wir uns vom hl. Stephanus helfen. Von ihm hörten wir, er sei erfüllt gewesen vom Hl. Geist! Da haben wir sie: Es ist die Schönheit des Hl. Geistes! Lebendig steht das Wort des hl. Paulus vor Augen: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?“ (1Kor 6:19)

Es ist derselbe Hl. Geist, der auch sie erfüllt, der auch in ihr wohnt. Schönheit sucht und findet Schönheit. Gleich und gleich gesellt sich gerndas klingt banal, trifft hier aber zu. Die Gospa drückt so die Geistesverwandtschaft mit ihren Kindern aus.
Dieser Geist macht zu Gottes Kindern und macht die Kinder zu Aposteln – wie den hl. Stephanus.

Nachdem die Gospa ihre Kinder an ihren Geiststand erinnert hat rückt sie nun mit ihrem Anliegen heraus: Ihr könnt mir helfen, dass die Liebe, wegen der mein Sohn gestorben und danach auferstanden ist, von neuem siegt.“ Es geht ihr um den Sieg der österlichen Liebe ihres Sohnes; daraufhin richtet sie die apostolische Geisteskraft ihrer Kinder aus.

Erneut das Beispiel des hl. Stephanus, das er unter dem Steinhagel seiner Gegner gibt: Er schreit nicht um Hilfe, er verflucht nicht seine Gegner – er betet und wendet sich dabei an seinen Herrn Jesus, er möge seinen Geist aufnehmen. Ein Akt reiner, betender Hingabe! Und nachdem er seinen Geist ganz in Jesu Hände geborgen hat betet er weiterund zwar für seine Gegner: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Ganz in Jesu Händen ist Stephanus ganz frei von sich und ganz frei für seine Gegner, um auch ihnen diese Freiheit zu erbitten. Auf diese Weise verwirklicht er, was die Gospa dann als nächstes von ihren Aposteln wünscht: „Meine Apostel, deshalb rufe ich euch auf, dass ihr in jedem Geschöpf Gottes, in allen meinen Kindern, versucht, etwas Gutes zu sehen und sie zu verstehen versucht.“ Eben das hat Stephanus getan. Er hat in seinen Gegnern jene Güte gesehen, die des Erbarmens Gottes würdig ist, die das Erbarmen Gottes anzieht. Er hat in ihnen trotz allem Geschöpfe Gottes gesehen, welche die Gospa ihre Kinder zu nennen nicht scheut! Er hat auch in ihnen Menschen gesehen, die nach Gottes Gleichnis geschaffen sind; er hat so diese Menschen in ihrer tiefsten Würde erkannt und durch sein Beten gewürdigt.

Wie fügt sich doch die Ermordung des Stephanus ein in das entsetzliche Leiden und Sterben, das Christen auf sich nehmen in Gegenden, die von unmenschlichen islamistischen Terroristen beherrscht werden: Da werden unser Schwestern und Brüder enthauptet, gekreuzigt, bei lebendigem Leib begraben, vergewaltigt und auf jede erdenkliche Art geschändet. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit der Christenverfolgung durch die Römer, die jedoch von diesen ruchlosen Mörderbanden an Grausamkeit noch übertroffen werden.

Wir müssen uns sehr streng an das Beispiel des hl. Stephanus halten, um nicht unseren Frieden zu verlieren, auch für diese Unmenschen zu beten und so einem Frieden den Weg zu ebnen, den nur Gott geben kann.

Und eben zu diesem Frieden möchte die Gospa als die Königin des Friedens uns führen. Der Blick aufs Böse raubt den Frieden, der Blick aufs Gute schenkt den Frieden. Möge der Herr seine Güte in uns mehren, damit wir immer fähiger werden, uns vom innersten Guten selbst in unseren ärgsten Feinden ansprechen und berühren zu lassen.

Wie ermutigend und wie stärkend sind für uns die Worte des Gospa und das Beispiel des hl. Stephanus, wenn wir uns im Steinhagel unserer Gegner vorfinden. Dass wir nicht die Steine fürchten, nicht unsere Gegner sondern uns so rasch und so entschlossen wie möglich unserem Herrn Jesus zuwenden und ihm unseren Geist in die Hände legen. Und dass wir uns erst dann, von ihm gehalten und geführt, unseren Gegnern zuwenden ganz im Erbarmen des Herrn, ganz in seinem Geist der Freiheit, der Versöhnung und des Friedens – und für sie beten um die Gnade und das Erbarmen des Herrn.

In diesem Geist der Güte, des Erbarmens und der Versöhnung stimmt die Gospa nun ein Loblied an auf ihre Kinder und fährt in ihrer Botschaft fort:

Meine Kinder,
ihr alle seid Brüder und Schwestern durch denselben Heiligen Geist. Ihr, die ihr erfüllt seid mit Liebe für meinen Sohn, könnt all jenen, die diese Liebe nicht kennengelernt haben, erzählen, was ihr wisst.
Ihr habt die Liebe meines Sohnes kennen gelernt,
ihr habt Seine Auferstehung verstanden,
mit Freude richtet ihr die Augen zu Ihm auf.

Womöglich steigt in uns leichte Schamröte hoch, wenn wir die hohe Meinung der Gospa von uns hören, denn wir finden uns wohl kaum vollkommen in den so von ihr gelobten Kindern wieder.
Das weiß freilich auch sieund dennoch spricht sie so erhaben von uns. Denn sie weiß gewiss, dass das Potential dieser Kinder in uns da ist. Sie entfaltet nur die Schönheit des Hl. Geistes in uns, von der sie zu Beginn ihrer Botschaft so fasziniert ist.
Die Gospa möchte, dass auch wir zusammen mit ihr auf diese unsere innere Schönheit des Hl. Geistes achten und uns so der Macht und dem Reichtum dieses Geistes öffnen können.
Nicht auf unsere Schwachheit sollen wir starren und uns dadurch entmutigen lassen sonder über unsere Erbärmlichkeit hinweg sollen wir auf die Schönheit des Hl. Geistes in uns schauen und uns davon beleben, ermutigen und stärken lassen. Einmal mehr hören wir den Apostel Paulus uns zurufen: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12:21)

Sie nennt mit diesem Loblied, was ihre Kinder auszeichnet und woran sie erkennbar sind. Es ist eine sehr gute geistliche Übung, uns diese Kennzeichen vor Augen zu halten und uns mit dem Herzen zu prüfen, wie sie in unserem Leben wirksam sind.

Jedenfalls fasst sie mit dem folgenden mütterlichen Wunsch zusammen, was sie von ihren Kindern möchte: „Mein mütterlicher Wunsch ist es, dass alle meine Kinder vereint sind in der Liebe zu Jesus.“

Hört ihr! Je mehr wir Jesus lieben, umso mehr sind wir ihre Kinder! Je mehr Geschwister Jesu umso mehr ihre Kinder! Unsere Liebe zu Jesus ist die Freude ihres Herzens. Und wenn wir uns in herzlicher Freundschaft mit Jesus verbinden, dann jubelt seine Mutter und tanzt mit den Engeln um die Wette. Denn sie hockt ja nicht unentwegt auf einem Thronsessel – ist Maria doch Miriam, eine jüdische Frau, die das Tanzen im Blut hat und deshalb jede Möglichkeit nützt, mit den Engeln zu tanzen. Und wenn wir Jesus lieben, bieten wir ihr so eine Möglichkeit.

Am Ende ihrer Botschaft zeigt sie dann eine Weise an, wie wir Jesus lieben und ihm gut sein können: „Meine Apostel, deshalb rufe ich euch auf, dass ihr mit Freude die Eucharistie lebt, denn in der Eucharistie gibt sich mein Sohn euch immer von neuem und mit Seinem Vorbild zeigt Er die Liebe und das Opfer für den Nächsten.“

Die Gospa verweist uns auf die Eucharistie, auf die Anwesenheit des Herrn in der Hostie und im kostbaren Blut. Gerade haben wir Jesus von diesem Geheimnis sprechen hören: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ (Joh 6:35)

Nun sollen wir die Eucharistie mit Freude leben, wünscht die Gospa und meint damit, dass wir die Haltung leben, die Jesus vorlebt – nämlich die Haltung der Hingabe an die Menschen; dass wir wie Jesus uns hineinleben in den Hunger und Durst der Menschen, dass sie nie mehr hungern und dürsten müssen.

Dazu müssen wir mit Jesus bei den Leuten sein, die hungern und dürsten; mit ihm müssen wir die Bitte der Leute hören: „Gib uns immer dieses Brot!“ (Joh 6:34) Das ist sehr herausfordernd und wir könnten uns schnell überfordert fühlen. Doch mit Jesus an der Seite dürfen wir diese Grenzerfahrung annehmen und wissen, dass von uns nicht mehr verlangt ist, als was wir geben können und dass der Herr ergänzen wird, was uns fehlt. So dürfen wir an seiner Seite horchen und gehorchen: Die Not der Menschen hören einerseits und darauf antworten andererseits – aber, so gut wir es vermögen und so gut unsere Grenzen es erlauben. Wir brauchen uns unserer Grenzen nicht schämen, sondern dürfen sie demütig annehmen und gewiss sein, dass der Herr das Seine dazutun wird. Dabei wird der Herr unser Leben weiten.

Bleiben wir so eucharistisch mit dem Herrn unterwegs, wird die Eucharistie unser Leben werden, das heißt, die Hingabe eine Grundhaltung unseres Lebens. Unser Leben wird sich ausfalten zwischen eucharistischer Anbetung des Herrn und eucharistischer Hingabe an die hungernden und dürstenden Menschen an unserer Seite. Eucharistisches Leben ist ein Leben mit Jesus an der Seite und mit den hungrigen und durstigen Menschen an unserer Seite. Nur so ist es möglich, dass wir sein Vorbild nachleben können, in dem er uns die Liebe und das Opfer für die Nächsten zeigt.
Bei der Liebe zu ihrem Sohn, die sich äußert in der Liebe zu den Menschen ist die Gospa nun am Ziel ihrer Träume angekommen und damit auch am Ende ihrer Botschaft, die sie mit einem schlichten: „Ich danke euch!“ beendet.