Freitag, Juni 19, 2015

Geliebter Sohn

 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Markus 1:9-11

9  In jenen Tagen kam Jesus aus Nazareth in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
10  Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
11  Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.



Eben durften wir im Evangelium ein Gespräch mithören. Oder sagen wir besser: Den Beginn eines Gespräches, eine Anrede, denn wir hören nur die Stimme vom Himmel und die Taube als Hinweis auf den Hl. Geist.
Die Anrede selber ist sehr knapp, fast einsilbig - aber dicht im Inhalt: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!"
In diesen Worten kommt eine positive Vater-Sohn Beziehung zum Ausdruck - zumindest von Seiten des Vaters her.
Die Brisanz dieser Anrede besteht darin, dass diese Stimme vom Himmel im Kontext als Gottes Stimme zu verstehen ist und Gott selber sich als Vater dieses Jesus ausdrückt und Gott selber diesen Jesus als seinen geliebten Sohn bezeichnet, an dem er Gefallen gefunden hat. Als Bekräftigung dieser göttlichen Stimme kommt der Hl. Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Er ist das Sigel, dass Gott selber hier am Werk ist. In jüdischer Tradition vermeidet Markus das direkte Aussprechen des Namens Gottes wegen der Ehrfurcht vor Gott - deshalb Stimme aus dem Himmel und nicht Stimme Gottes.

Dessen wurde sich auch Jesus bewusst - und sagt darauf gar nichts! Es wird ihm die Stimme verschlagen habe ob dieses göttlichen Eingriffes in sein Leben. Wortlos steigt er aus dem Wasser, verlässt die Menschenmenge am Jordan und wird vom Geist in die Wüste getrieben.
Damit beginnt seine Antwort auf die väterliche Anrede Gottes, es wird die Antwort seines Lebens sein, das er ab jenem Zeitpunkt führt. Denn er lässt sein Leben von dieser Stimme umkrempeln und völlig auf den Kopf stellen.
Die Taufe am Jordan kam im Leben Jesus einer Initialzündung gleich und sein folgendes Leben einer Explosion Gottes in seinem Leben, in seiner Welt und in Kirche und Welt seither!
Das heißt: Gott hat sich seit der Taufe in seinem Leben machtvoll entfaltet - und Jesus hat dem zugestimmt, hat das zugelassen, war voll und ganz damit einverstanden!

Wenn Jan Maximilian nun gleich anschließend getaut wird, geschieht an ihm, was an Jesus durch Johannes den Täufer geschehen ist: Er wird mit Wasser übergossen!
Und damit treten auch wir ein in jenen heiligen Raum, der von der väterlichen Stimme Gottes und von der Gegenwart des Hl. Geistes erfüllt ist. Dieser hl. Raum wurde damals bei Jesu Taufe geöffnet und nicht mehr geschlossen, so lange Menschen wie Ian getauft werden auf den Namen des Vater und des Sohnes und des Hl. Geistes.

Kurz haben wir die Lebensantwort Jesu auf Gottes Worte angerissen. Wird Jan auch antworten? Kann er noch nicht, da er noch ein Baby ist und zwar hört aber nicht versteht, was an ihm geschieht.
Ihr Eltern aber und Sie, die Patin und ihr übrigen alle - ihr hört und nehmt das gewaltige Wagnis auf euch, an seiner Stelle auf die väterliche Stimme aus dem Himmel eine Antwort zu geben - eine Antwort, die er selber, persönlich geben wird, je älter und reifer er wird.
Am Ende eurer Tage werdet ihr vor dem, der heut im Evangelium gesprochen hat, Rechenschaft ablegen dürfen, wie ihr diese Antwort an Stelle des Ian gegeben habt - und gebe der Herr, dass ihr dann sagen könnt: Wir haben nicht nur eine Antwort mit den Lippen gegeben sondern: Wir haben versucht, eine Lebensantwort zu geben!

Dabei ist euch die Antwort schon geschenkt!
Denn auch ihr selber steht ja unter dieser Ansprache seit eurer Taufe; seitdem steht ja auch ihr schon in diesem Raum der väterlichen Liebe und seid seine geliebten Kinder, beschenkt mit seinem hl. Geist.
Außerdem ist diese Anrede Gottes keine mahnende, keine fordernde sondern eine liebevolle, eine beschenkende. Je mehr ihr diese Liebe in euer Leben einlassen könnt, desto mehr könnt ihr euch darauf einlassen; desto mehr ist in euch die Begeisterung und die Kraft da, euer Leben aus dieser Liebe zu gestalten.

Im Hinblick auf den Ian bedeutet dies, dass ihr ihm nach Altersstufe verschieden diese Liebe Gottes zu euch und eure zu Gott vermittelt als eine Liebe, die ganz auch ihn einschließt. Das Lieben Gottes wird dabei eurem Lieben jene Klarheit geben, die jede verborgene Eigensucht mehr und mehr ausschließt und den Jan nicht als euer Eigentum sieht sondern  von Gott geliebten Sohn, den ihr zu einer persönlichen Lebensantwort auf die väterliche Anrede Gottes hinführt.

Dass ihr euch dabei aus dem Leben Jesu und vom Hl. Geist Klarheit, Freiheit, Mut, Freude und Phantasie schenken lässt und dass ihr so von Gott überreich gesegnet seid, wünschen wir alle euch von ganzem Herzen.

Nun wollen wir uns jenen zuwenden, die ihre Lebensantwort bereits vorbildlich gegeben haben und die wir die Heiligen nennen. Sie bitten wir nun um ihren Beistand.

Völlige Stille


+ Aus dem hl. Evangelium nach Markus 4:35-41

35An jenem Tag, als es Abend geworden war, sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren.
36Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; einige andere Boote begleiteten ihn.
37Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot, so dass es sich mit Wasser zu füllen begann.
38Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?
39Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.
40Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
41Da ergriff sie große Furcht, und sie sagten zueinander: Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?



Wir hörten eben die Jünger Jesus fragen: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“
Jesus hätte eigentlich antworten können: „Nein! Denn sonst hätte ich nicht so gut schlafen können mitten in dem Sturm!“

In Jesus ist etwas drinnen, das nicht zugänglich war für die Angst, welche die Jünger bewegte. Die bedrohlichen und zerstörerischen Mächte der Natur hatten keinen Zugriff auf sein Herz und auf sein Gemüt. Er blieb bei all dem Stürmen und Toben in völligem innerlichen Frieden, der es ihm erlaubte hinten im Boot tief und fest zu schlafen. Nicht der Sturm weckte Jesus auf sondern die Jünger.

Mich hat diese tief innere Gelassenheit fasziniert, dieses Geborgensein, dieser tiefe Friede ohne jede Angst und Sorge. Und ich kam zur Antwort, dass in Jesus eine Macht da war, die die Mächte der Natur bei weitem überragte.
Jene Macht, von der wir in der Lesung bei Ijob gehört haben,
dass sie das Meer mit Toren verschloss, als schäumend es dem Mutterschoß entquoll,
die das Meer mit Wolken bekleidete und in dunklen Dunst wickelte,
die ihm Grenzen ausbrach, ihm Tor und Riegel setzte
und zu ihm sprach: Bis hierher darfst du und nicht weiter, hier muss sich legen deiner Wogen Stolz. (vgl. Ijob 38:8-11)

Es ist die Macht des Schöpfers über das, was er geschaffen hat, die in Jesus ganz da ist, von der er völlig durchdrungen ist, aus der seine Geborgenheit und sein innerer Friede hervorströmt.
Es ist göttliche Macht, die Jesus den Mächten der Natur entgegenhält und indem er dies tut, trägt er dies Stille, die in ihm ist, in die tobenden Elemente der Natur hinein, so dass auf sein Wort hin auch dort völlige Stille eintrat.

In der Frage an seine Jünger zu Ende des Evangeliums bringt er ihr eigentliches Problem auf den Punkt: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“
Mangelnder Glaube öffnet der Angst Tür und Tor!
Glaube hingegen schließt Angst aus!
Der Glaube nämlich, dass in Jesus mehr da ist als ein freundlicher, lieber Mensch der im Grunde alle mag.
Der Glaube, dass in diesem Jesus Gottes Macht anwest, der sich jede Macht beugen muss – die der Natur, wie wir heute hören; ebenso aber auch die Macht des Todes, wie es dann bei Jesu Auferstehung klar wird.

Die Frage an die Jünger stellt Jesus uns heute auch: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?
Mit dieser Frage will Jesus uns auf die Ängste stoßen, die heute uns Christen plagen und die uns genau deshalb plagen, weil wir nicht an den ganzen Jesus Christus glauben können
und dass er wahrer Gott und wahrer Mensch ist,
und dass die ganze Fülle der Gottheit in ihm wohnt
und dass vor ihm sich alle Mächte beugen müssen – im Himmel, auf der Erde und unter der Erde!

Dieser Jesus ist bei uns im Boot dieser hl. Messe; er ist bei uns im Boot unseres Alltags; er ist bei uns im Boot unserer Beziehungen; er ist bei uns im Boot unserer Arbeit und unserer Freizeit; im Boot unserer nationalen und internationalen Probleme.

Unsere große christliche Aufgabe ist es, für uns und für alle Menschen zu glauben, dass Jesus tatsächlich der Sohn des lebendigen Gottes ist; dass wir selber aus diesem Glauben, jene innere Freiheit und Gelassenheit gewinnen, in der wir angemessen die Not unserer Zeit bewältigen und Menschen mit uns in einen je größeren Frieden führen können.
Die Frage Jesu nach dem Glauben der Jünger legt nahe, dass es auch an ihnen liegt, dass der Glaube an ihn, Jesus, wachse und dass der erste Schritt der ist, um diesen Glauben zu beten und ihn als wesentliches Element für unser christliches Leben von Gott zu erbitten. Daran denke ich etwa, wenn ich zu Beginn des Rosenkranzes den Herrn bitte, dass er unseren Glauben vermehre! Amen!

Lieben mit Herz


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Johannes 19:31-37

31Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten, baten die Juden Pilatus, man möge den Gekreuzigten die Beine zerschlagen und ihre Leichen dann abnehmen; denn dieser Sabbat war ein großer Feiertag.
32Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem Ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war.
33Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht,
34sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.
35Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres berichtet, damit auch ihr glaubt.
36Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.
37Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.




Was war denn eure letzte Aktion, bei der ihr mit ganzem Herzen dabei ward? Dass ihr in einer Begegnung, in einer Arbeit, in einer Freizeitbeschäftigung ganz aufgegangen seid und die Welt um euch herum versunken ist? Das hat sich eurem Gedächtnis bestimmt gut eingeprägt!

Dieses Ereignis hat euch gezeigt, wie hingabefähig ihr seid und wie sehr ihr eure Aufmerksamkeit verschenken könnt. Je persönlicher dieses Ereignis umso tiefer sein Eindruck.

Das heutige Herz-Jesu-Fest lässt uns sehen, wie Jesus so ganz und gar mit seinem Herzen dabei ist in seiner Zuwendung zu Gott und den Menschen. Seinen letzten Herztropfen gibt er dabei her, wie uns das Evangelium eben sehr dramatisch schildert in der Durchbohrung seiner Seite durch die Soldatenlanze. Sein Sterben wird so definiert als eine Herz-Tat, in der er sein Herzensbedürfnis erfüllt – uns Menschen zu erlösen.

Jesus wollte, dass sein Tun nie mehr vergessen wird im Kreis derer, die zu ihm gehören.
Darum gedenken wir dieser Herz-Tat Jesu vor allem bei jeder hl. Messe und feiern dabei, wie Jesus uns durch sein Tun und durch das Geschehenlassen an ihm zum Rettungsboot wird, das uns aus der Unterdrückung in die Freiheit bringt.

Im Evangelium lesen wir von Blut und Wasser, die aus der Seitenwunde Jesu fließen.
Das Blut erinnert in der Nacht, in der Israel aus Ägypten ausgezogen ist, an das Blut des Paschalammes, das an die Türpfosten gestrichen wurde, damit der Verderber vorübergehe und keinen Schaden stifte. Durch das Blut Jesu wird der Verderber von uns Menschen ausgeschaltet – der Tod.

Das Wasser soll ein Sinnbild sein für den Hl. Geist, der durch Jesus ausgegossen wird auf alle, die glauben. Durch die Elemente Blut und Wasser werden die Erlösung durch Jesus und die Gabe des Hl. Geistes durch ihn ausgedrückt. Aus beidem wächst die Gemeinschaft der Kirche hervor, jene Menschen also, die sich durch die Taufe mit der Erlösung und mit der Geistgabe beschenken lassen können, weil sie glauben.

Herz Jesu – ein Fest, das seine Gaben als Herzensgaben bestimmt, die aus der unergründlichen Tiefe seines Herzens kommen, von dem wir bekennen, dass dort die ganze Fülle der Gottheit wohnt. Lebens- und Liebeszeichen aus der Herztiefe Gottes.

Herz Jesu ein Appell wider die Herzlosigkeit unserer Tage, wider die Herzenskälte in uns selber. Gelingt es uns, diesen Appell zu hören und in unser Herz einzulassen, damit wir uns darauf einlassen können?
Können wir es zulassen, dass Jesus unser Herz nach seinem bildet?
Nur durch unsere Herzen kann sich die Herzwärme Gottes in unserem Leben und in unserer Welt ausbreiten. Stellen wir dem Herrn unser Herz zur Verfügung und beantworten wir die Kälte in unserer Welt mit der Wärme, die der Herr uns von Herzen schenkt.

Diese erwärmende Antwort, zu der wir Christen vorgewärmt und befähigt sind, besteht in der möglichst ungeteilten Zuwendung, die wir unseren Mitmenschen schenken; sie zeigt sich in der Betroffenheit von der Not unserer Mitmenschen und der Bereitschaft so gut wie möglich Not zu lindern.

Angesichts der dramatischen Notlagen in unseren Tagen wollen wir uns der Liebe Gottes zu uns bewusst werden im Gebet der Herz-Jesu-Litanei und damit zugleich diese Nöte dem Herrn und uns ans Herz legen.

Herz-Jesu-Litanei

Im Brot der Herr


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Markus 14:12-16.22-26

12Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
13Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
14bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
15Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
16Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
17Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf.
18Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen.
19Da wurden sie traurig, und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich?
20Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst.
21Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
22Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
23Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus.
24Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
25Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
26Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.




Das heutige Evangelium führt uns in den Abendmahlsaal, den wir liturgisch zuletzt betreten haben in der Karwoche am Gründonnerstag. Das war damals der Abend vor seinem Leiden, an dem geschehen ist, was wir eben hörten: Jesus nennt die Gaben von Brot und Wein seinen Leib und sein Blut hingegeben für uns. Das hat Jesus getan, um seinen Jüngern das Ereignis seines Leidens und Sterbens deuten zu helfen als Totaleinsatz seines Lebens zum Heil von uns allen und um ihnen ihm Mahl Gedächtnis und Erinnerung für alle Zeiten zu hinterlassen an diese seine Lebenshingabe.

Heute nun nach Jesu Auferstehung und der Sendung seines Geistes stehen die Gaben dieses Erinnerungsmahles im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit in der Form dankbarer Verehrung. Es sind die Gaben Brot und Wein – visuell vereint in der Hostie, die wir in der kostbaren Monstranz durch das Dorf tragen mit feierlichem Aufwand, wie er im Verlauf der Geschichte sich entfaltet hat.

Das Besondere dieser Hostie: Sie ist ein rundes Stück Brot aus Mehl und Wasser gebacken dem äußeren Ansehen nach. Ihrem Wesen nach ist sie das, was der Priester bei der hl. Messe in Stellvertretung Jesu über sie gesprochen hat: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird! Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Thomas von Aquin hat dies in großartiger Form so gesagt:
Treu dem heiligen Befehle wandeln wir zum Heil der Seele in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, der Gestalten Wesen schwindet, Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen der Verstand nicht kann verstehen sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten hohe Dinge sind enthalte, in den Zeichen tief verhüllt.

In der Hostie tragen wir also nicht einen Hinweis auf den Herrn und nicht ein Symbol für den Herrn sondern den Herrn selber! Das einzusehen braucht es nicht Hirnschmalz, nicht Verstand, Wissen oder Phantasie – dazu braucht es festen Glauben!

Fronleichnam ist ein Glaubensfest! Aus dem Glauben wächst es heraus, im Glauben wird es gestaltet und im Glauben gefeiert – im Glauben nämlich, dass in dieser Hostie Jesus selber, unser Heiland, König und allerbester Freund in unserer Mitte ist. Aus diesem Glauben kommt denn auch die Freude, die uns dazu bewegt, diesen Tag in möglichster Festlichkeit zu begehen.
Aus einer ähnlichen Freude heraus hat König David damals hinter der Bundeslade getanzt, als sie in die Stadt Jerusalem hineingetragen wurde; denn er wusste aus seinem Glauben um die Gegenwart Gottes in dieser Bundeslade.

Dieser freudige Glaube führt uns zur Einsicht, dass Jesus nicht nur Herr in unserer Kirche sondern Herr in unserem ganzen Dorf ist; darum tragen wir ihn ja durch unser Dorf, vorbei an unseren Häusern und Feldern – den Lebensorten unseres Alltags;
denn Jesus will nicht nur Herr unseres Sonntags sein sondern Herr unseres Alltags. Er will von uns nicht nur in der Kirche, bei der hl. Messe gefunden werden sondern auch in unserem alltäglichen Leben – an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Begegnungen, in unserem Alleinsein, in unseren Freuden und Leiden.

Daran sollten wir unbedingt denken bei der Prozession und bei der hl. Messe und dem Herrn unseren Alltag empfehlen, dass wir ihn dort als den allzeit Gegenwärtigen wahrnehmen. Von diesem unserem Wahrnehmen möchte der Herr nämlich noch viel mehr umgeben sein als wie vom Gold und den Edelsteinen der Monstranz.
Er möchte von unserer Aufmerksamkeit verwöhnt werden und von unserer Freundschaft, von unserer Dankbarkeit und davon, dass wir uns von ihm helfen lassen. Dann setzten wir den heutigen Festtag in unserem Alltagsleben um – und darum geht es, dass unser Leben in jeder Hinsicht mehr und mehr geprägt wird davon, dass Jesus, der Herr, da ist in unseren Gedanken, Worten und Werken. Dann erst kann unser Leben ein christliches Leben werden und dieses Leben wird ein Segen werden für die Welt in der wir leben und sie vor zu dem Reich Gottes ähnlicher machen.