Freitag, Juni 19, 2015

Im Brot der Herr


 
+ Aus dem hl. Evangelium nach Markus 14:12-16.22-26

12Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm schlachtete, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
13Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
14bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
15Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
16Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
17Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf.
18Während sie nun bei Tisch waren und aßen, sagte er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern, einer von denen, die zusammen mit mir essen.
19Da wurden sie traurig, und einer nach dem andern fragte ihn: Doch nicht etwa ich?
20Er sagte zu ihnen: Einer von euch Zwölf, der mit mir aus derselben Schüssel isst.
21Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
22Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.
23Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus.
24Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
25Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes.
26Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.




Das heutige Evangelium führt uns in den Abendmahlsaal, den wir liturgisch zuletzt betreten haben in der Karwoche am Gründonnerstag. Das war damals der Abend vor seinem Leiden, an dem geschehen ist, was wir eben hörten: Jesus nennt die Gaben von Brot und Wein seinen Leib und sein Blut hingegeben für uns. Das hat Jesus getan, um seinen Jüngern das Ereignis seines Leidens und Sterbens deuten zu helfen als Totaleinsatz seines Lebens zum Heil von uns allen und um ihnen ihm Mahl Gedächtnis und Erinnerung für alle Zeiten zu hinterlassen an diese seine Lebenshingabe.

Heute nun nach Jesu Auferstehung und der Sendung seines Geistes stehen die Gaben dieses Erinnerungsmahles im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit in der Form dankbarer Verehrung. Es sind die Gaben Brot und Wein – visuell vereint in der Hostie, die wir in der kostbaren Monstranz durch das Dorf tragen mit feierlichem Aufwand, wie er im Verlauf der Geschichte sich entfaltet hat.

Das Besondere dieser Hostie: Sie ist ein rundes Stück Brot aus Mehl und Wasser gebacken dem äußeren Ansehen nach. Ihrem Wesen nach ist sie das, was der Priester bei der hl. Messe in Stellvertretung Jesu über sie gesprochen hat: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird! Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Thomas von Aquin hat dies in großartiger Form so gesagt:
Treu dem heiligen Befehle wandeln wir zum Heil der Seele in sein Opfer Brot und Wein.
Doch wie uns der Glaube kündet, der Gestalten Wesen schwindet, Fleisch und Blut wird Brot und Wein.
Was das Auge nicht kann sehen der Verstand nicht kann verstehen sieht der feste Glaube ein.
Unter beiderlei Gestalten hohe Dinge sind enthalte, in den Zeichen tief verhüllt.

In der Hostie tragen wir also nicht einen Hinweis auf den Herrn und nicht ein Symbol für den Herrn sondern den Herrn selber! Das einzusehen braucht es nicht Hirnschmalz, nicht Verstand, Wissen oder Phantasie – dazu braucht es festen Glauben!

Fronleichnam ist ein Glaubensfest! Aus dem Glauben wächst es heraus, im Glauben wird es gestaltet und im Glauben gefeiert – im Glauben nämlich, dass in dieser Hostie Jesus selber, unser Heiland, König und allerbester Freund in unserer Mitte ist. Aus diesem Glauben kommt denn auch die Freude, die uns dazu bewegt, diesen Tag in möglichster Festlichkeit zu begehen.
Aus einer ähnlichen Freude heraus hat König David damals hinter der Bundeslade getanzt, als sie in die Stadt Jerusalem hineingetragen wurde; denn er wusste aus seinem Glauben um die Gegenwart Gottes in dieser Bundeslade.

Dieser freudige Glaube führt uns zur Einsicht, dass Jesus nicht nur Herr in unserer Kirche sondern Herr in unserem ganzen Dorf ist; darum tragen wir ihn ja durch unser Dorf, vorbei an unseren Häusern und Feldern – den Lebensorten unseres Alltags;
denn Jesus will nicht nur Herr unseres Sonntags sein sondern Herr unseres Alltags. Er will von uns nicht nur in der Kirche, bei der hl. Messe gefunden werden sondern auch in unserem alltäglichen Leben – an unseren Arbeitsplätzen, in unseren Begegnungen, in unserem Alleinsein, in unseren Freuden und Leiden.

Daran sollten wir unbedingt denken bei der Prozession und bei der hl. Messe und dem Herrn unseren Alltag empfehlen, dass wir ihn dort als den allzeit Gegenwärtigen wahrnehmen. Von diesem unserem Wahrnehmen möchte der Herr nämlich noch viel mehr umgeben sein als wie vom Gold und den Edelsteinen der Monstranz.
Er möchte von unserer Aufmerksamkeit verwöhnt werden und von unserer Freundschaft, von unserer Dankbarkeit und davon, dass wir uns von ihm helfen lassen. Dann setzten wir den heutigen Festtag in unserem Alltagsleben um – und darum geht es, dass unser Leben in jeder Hinsicht mehr und mehr geprägt wird davon, dass Jesus, der Herr, da ist in unseren Gedanken, Worten und Werken. Dann erst kann unser Leben ein christliches Leben werden und dieses Leben wird ein Segen werden für die Welt in der wir leben und sie vor zu dem Reich Gottes ähnlicher machen.

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