Sonntag, Juli 05, 2015

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Lesung aus Kol 3:12 – 17

12  Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! 
13  Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
14  Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.
15  In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! 
16  Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.
17  Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!


Liebe Evelyn, lieber Michael!

I.              Ein schönes Brautpaar seid ihr beide – das fällt ins Auge gleich einmal durch eure Kleider!

Sie drücken aus, was ihr in eurem Inneren empfindet und sind zugleich ein Zeichen gegenseitiger Wertschätzung. Ich frage jetzt nicht, wie lange es gedauert hat, bis alles passte wie ihr’s wolltet und auch nicht, was es gekostet hat. Das wäre deplatziert.
Dass ihr in euren schönsten Kleidern gekommen seid und nicht in eurer Werktagskluft, zeigt, dass für euch sehr wertvoll ist, was ihr in dieser Feier tut.

In der Lesung haben wir nun aber gehört, dass ihr nicht nur euren Leib schön gekleidet haben wollt. Ihr habt euch auch um ein anderes Kleid bemüht: „Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!“ Von welchem Modedesigner habt ihr denn diesen Tipp bekommen? Von Lagerfeld, Armani, Gaultier, Westwood? Nein! Sondern vom Apostel Paulus in seinem Brief an die Kolosser – einem Modedesigner für die Seele! Auf eurer Suche nach einem passenden Wort zu eurer Hochzeit seid ihr auf diese Stelle gestoßen. Sie hat euch am meisten berührt und ihr habt sie für die Lesung ausgesucht.

Der Apostel Paulus hatte es irgendwie mit den Kleidern! Als sie den Stephanus steinigten, den ersten Blutzeugen der ganz jungen christlichen Kirche, da hat er auf die Kleider der Steiniger aufgepasst.
Einen Hüter der Kleider können wir Paulus nennen.
Das wird deutlich auch an anderer Stelle, wenn er etwa in Röm 13:14 schreibt: „Legt als neues Gewand den Herrn Jesus Christus an.“ Oder in Gal 3:27: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt.“
Christus als Gewand anlegen, heißt, sich einhüllen mit ihm, sich ganz umgeben mit ihm. Wozu das gut sein soll? Es schützt!
Paulus empfiehlt eine Schutzkleidung! Christus ist ein Schutzanzug! Er beschützt vor allem, was Jesus in seinem Leben unter uns überwunden hat: vor verkehrten Regungen des Herzens, vor Schuld und schließlich vor dem Tod. Denn mit Jesus umkleidet sind wir mit ihm Sieger auch über den Tod.
Was es heißt, mit Christus umkleidet zu sein entfaltet Paulus in der heutigen Lesung: „bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!“ Diese Kleidung schützt vor Erbarmungslosigkeit, Herzenshärte, Überheblichkeit, Ungeduld. Das schützt den Menschen selber aber ebenso seine Mitmenschen; es schützt eure eheliche Gemeinschaft.

Und noch etwas wird deutlich: Das Jesuskleid, das Paulus nahelegt, schütz nicht nur, es macht einen Menschen schön im Sinne von gefällig, angenehm, wohltuend, erquickend, erholsam, bereit, Gutes zu tun und fähig, zu lieben.
Das Jesuskleid zieht sich wie ein goldener Faden durch die Lesung: „wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3:13b) Oder: „In eurem Herzen herrsche der Friede Christi!“ (Kol 3:15a) Oder: „Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch!“ (Kol 3:16a) Und schließlich im letzten Vers: „Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!“ (Kol 3:17)
Diese Kleidung fördert die Liebe, den Frieden und das Leben und übertrifft an Schönheit jede Nobelrobe bei weitem.
Es spricht für eure herzliche Liebe zueinander, dass ihr euch ausdrücklich um dieses Herzenskleid bemüht, das Paulus euch in Christus empfiehlt. Es zeigt, dass euer schönes Gewand kein ungutes Herz verstecken muss sondern euer gutes Herz ausdrückt.

II.           In der Lesung hörten wir auch die Einladung: „ Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.“ (Kol 3:14)

Ihr erzähltet mir, dass ihr Leseratten seid! So seid ihr gewiss schon draufgekommen, dass leinengebundene Bücher im Vergleich zu Paperback handlicher zu lesen sind und keine Gefahr besteht, dass das Buch sich in einzelne Teile und Blätter auflöst, wenn es immer wieder zur Hand genommen und darin gelesen wird.

In dieser Feier werden nun eure Lebensbücher zu einem Buch zusammengebunden – eben „durch das Band der Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht“. In diesem Lebensbuch werdet ihr immer wieder lesen; helle und dunkle Seiten werdet ihr umblättern und keine Gefahr, dass auch nur eine Seite sich herauslöst denn jede Seite ist mi den anderen zusammengebunden durch das Band der Liebe.
Ihr werdet selber dieses Lebensbuch schreiben mit dem, was euch widerfährt als Gabe und Aufgabe; mit dem, wie ihr darauf antwortet und euer Leben gestaltet.
Lest in eurem Lebensbuch, zündet dabei die Hochzeitskerze an und lasst euch von neuem zusammenbinden durch das Band der Liebe, die alles zusammenhält und vollkommen macht – gerade das Unvollkommene, von dem unweigerlich auch in eurem Lebensbuch zu lesen sein wird. Als Lesehilfe nehmt euch die heutige Lesung zur Hand und ihr werdet immer mit Gewinn daraus lesen.

Jetzt aber wollen wir die erste Seite eures Lebensbuches aufschlagen und dort festhalten, dass ihr euch jetzt das Ja-Wort gebt, um euch in Liebe zueinander vor Gott und vor uns ehelich zu verbinden.

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